In Kairo haben die Verhandlungen über die britischen Verteidigungsanlagen in der Suezkanal-Zone begonnen. Daß sie zu einem beide Teile befriedigenden Ergebnis führen werden, schließt man aus versöhnlichen Äußerungen des Generalsekretärs der Ägyptischen Freiheitsbewegung, Oberstleutnant Gamal Abdel Nasser, der nach General Nagib der mächtigste Mann in Ägypten ist.

Nach den Erklärungen Nassers "wünscht Ägypten freundschaftliche Beziehungen mit England, damit die eiternde Wunde des Konfliktes mit Großbritannien für immer verschwindet und das Land einer Periode des Fortschrittes entgegenblicken kann". Die Politik der Regierung Nagibs – so erklärte Nasser ferner – fordere die Räumung der Kanalzone durch die britischen Truppen, weil Ägypten erst dann ein freier und unabhängiger Staat sein werde. Die Regierung wünsche aber auch, daß die militärischen Anlagen in der Kanalzone weiterhin reibungslos funktionieren und jederzeit einsatzbereit sind. "Wir sind Soldaten und Realisten. Wir wissen, daß wir einen so gewaltigen Stützpunkt nicht aus eigener Kraft erhalten können. Wir wissen, daß wir Techniker benötigen, und da die gesamte Ausrüstung der Anlagen britischer Herkunft ist, werden wir britische Techniker brauchen." Nach diesen Erklärungen dürfte feststehen, daß die ägyptische Regierung nicht nur bereit ist, die großen, mit einem Kostenaufwand von 500 Mill. Pfund von England ausgebauten Verteidigungsanlagen zu erhalten, sondern auch einsieht, daß die Instandhaltung der Anlagen von der technischen und finanziellen Unterstützung des Westens abhängt.

Damit ist eine Grundlage für die Verhandlungen geschaffen worden. Die britische Regierung weiß zwar, daß die Erfüllung ihres Wunsches, einen Verteidigungspakt für den Mittleren Osten unter. Beteiligung Ägyptens abzuschließen, sich im Augenblick nicht erreichen läßt. Sie hofft aber, gleichzeitig mit dem Übereinkommen über die Räumung der Suezkanal-Zone, die ohnehin nach Ablauf des Vertrages im Jahre 1956 erfolgen müßte, von der ägyptischen Regierung Zusagen für die Aufrechterhaltung und Einsatzbereitschaft der Verteidigungsanlagen zu erhalten, die einen annehmbaren Ersatz für die ägyptischen Verpflichtungen im Rahmen eines Mittelost-Verteidigungspaktes darstellen würden. E. K.