Auf dem IV. Deutschen Fremdenverkehrstag vom 5.–7. Mai treffen sich in München wieder die Fachleute des deutschen Fremdenverkehrs mit zahlreichen ausländischen Gästen, um neben einer Bilanz des Verkehrsjahres 1952 vor allen Dingen die Möglichkeiten nach einer weiteren Verkehrssteigerung zu erörtern, Die Verkehrsbilanz des vergangenen Jahres war sehr günstig. Allein die Fremdenübernachtungen lagen mit 54,5 Mill. um 15,3 v. H. über 1951. Dabei ist besonders erfreulich, daß die Zahl der Ausländerübernachtungen mit 4,4 Mill. das Ergebnis von 1951 fast um ein Drittel übertraf. Die Deviseneinnahmen aus dem Ausländerfremdenverkehr hatten sich 1952 sogar um etwa 70 v. H. von 275 Mill. DM auf 470 Mill. DM erhöht. Demnach entfällt also die Zunahme des Ausländerverkehrs überwiegend auf den hochwertigen Verkehr.

Im Rahmen der Konjunkturbetrachtungen für 1952 hat der Ablauf der Reisesaison mit Recht eine besondere Rolle gespielt. Man bezeichnete die "Reisewelle" als ein markantes Merkmal dafür, daß die fortschreitende Wirtschaftsbelebung auch zu einer Hebung des Lebensstandards geführt hat. Dabei ist von ganz besonderer Wichtigkeit die Verbreiterung des Verkehrsstromes, die insbesondere durch die Sozialtouristik erreicht wurde. Die größte Organisation dieser Art, die Touropa, eine Zusammenfassung der vier größten Reisebüros, konnte mit über 174 000 Gästen ihre Reisebüros, zahlen gegenüber dem Vorjahre um 29 v. H. steigern, d. h. doppelt so stark wie der Durchschnitt des allgemeinen Reiseverkehrs. Das volle Ausmaß der Sozialtouristik ist aber damit noch nicht voll erfaßt, denn eine zweite Gruppe von Reisebüros zählte in einer ähnlichen Organisation fast 100 000 Gäste.

Diese Verkehrszunahme hat bereits im vergangenen Jahre dazu geführt, daß die Hauptsaison fast in allen Bädern und Kurorten ausverkauft war. Für die Disposition ist dabei besonders wichtig, daß die weite Planung schon sehr frühzeitig die Belebung erkennen läßt. Als Folge des Platzmangels in der Hauptsaison werdendie Anmeldungen immer früher getätigt. Während z. B. bei der Touropa 1950 die Hälfte der damals erheblich ge- – ringeren Buchungszahl am 19. Juni erreicht war, wurde dieser Stand 1952 bei wesentlich lebhafterer Reisetätigkeit bereits am 26. Mai erzielt. Die Folge davon war, daß die später eingehenden Anmeldungen auf die Vor- und Nachsaison verwiesen werden mußten. Damit wurde ein wichtiger Fortschritt zur Lösung des größten wirtschaftlichen Problems im Fremdenverkehr, nämlich die Verlängerung der Saison, erzielt. Die wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Vordispositionen zeigten sich 1952 sehr deutlich, weil das nasse Wetter in der Nachsaison den übrigen Verkehr stark einschränkte, so daß diese Vorbestellungen für das wirtschaftliche Ergebnis erhöhte Bedeutung erlangten.

Die Sorge um eine größere Gleichmäßigkeit des Verkehrs während der gesamten Saison bewegt alle Teile des Fremdenverkehrs nach wie vor. Die Bestrebungen nach einer gleichmäßigeren Verteilung der Schulferien in den einzelnen Ländern sind leider gescheitert. Der größte Widerstand ging dabei von Nordrhein-Westfalen aus, dessen Bewohner den wichtigsten Anteil am westdeutschen Fremdenverkehr stellen. Das Land hat die vorgeschlagene Teilung der Ferien abgelehnt und damit auch eine spürbare Entlastung der Hauptverkehrswochen unmöglich gemacht. Einen sehr interessanten Versuch macht die Touropa in diesem Jahre. Sie hat während der Hauptsaison ihre Bettenpreise um den verhältnismäßig geringen Betrag von 20 Dpf. erhöht. Dadurch konnte sie den Bettenpreis in der übrigen Zeit um den dreifachen Betrag senken, ohne daß hierdurch die Gesamteinnahme während der Saison zurückging. Man hofft nunmehr, daß das hierdurch hervorgerufene Preisgefälle den Verkehr stärker in die Vor- und Nachsaison zieht. Der Erfolg wird eine höhere Ausnutzung der Kapazität während der gesamten Saison sein.

Die weitere Zukunft des Fremdenverkehrs wird wesentlich von den Erfolgen des Reisesparens abhängen. Daß man für eine Sommerreise sparen muß, ist eigentlich eine alte Tatsache. Der wirklich Reisefreudige hat auch schon immer im Monatsbudget seine Rücklage für die Ferienreisen berücksichtigt. Sehr groß ist aber noch die Zahl derjenigen, die gern reisen möchten, aber nicht die Energie zum freiwilligen Sparen aufbringen. Diesen soll nun durch die Organisation geholfen werden. Die ersten Erfahrungen des vergangenen Jahres waren durchaus günstig, aber letzten Endes handelt es sich hier um eine "Erziehungsfrage", die erst auf large Sicht gelöst werden kann. Eine wesentliche Förderung des Reisesparens würde die vorgeschlagene Anerkennung der Ferienzuschüsse seitens der Arbeitgeber als Kosten bedeuten. Der Arbeitnehmer braucht dann nur einen Teil seiner Reisekosten anzusparen, was den Entschluß ohne Zweifel wesentlich erleichtert. Die Sparkassen haben den Gedanken des Reisesparens inzwischen ebenfalls aufgegriffen.

Die Erkenntnis, daß der Ablauf der Fremdenverkehrssaison ein erheblicher Bestandteil des allgemeinen Konjunkturablaufes darstellt, gewinnt ständig an Boden. In der Tat liegen im Fremdenverkehr noch sehr beachtliche Konjunkturreserven, die sich ausschöpfen lassen. Die Rentabilität derFremdenverkehrsbetriebe läßt leider noch sehr zu wünschen übrig, nicht zuletzt, weil sie mit den steigenden Kosten nicht fertig werden. Das Ausweichen in die steigenden Preise führt auch nicht viel weiter. Dagegen kann eine Verbreiterung der Saison wesentlich schneller zum Ziel führen. Der Iivestitionsbedarf dieser Betriebe ist groß; seine Deckung ist davon abhängig, daß die Betriebe zur Rentabilität geführt werden. Auch in der Weltkonjunktur wird dem Fremdenverkehr heute größere Bedeutung geschenkt. Vor allem haben die USA erkannt, daß der Export ihrer Industrie entscheidend davon mitbestimmt wird, wieweit der amerikanische Fremdenverkehr Dollars in die Absatzländer bringt. Gustav Plum