W. S.-D., Mailand, im April

Schon in den ersten Tagen hatte das Geschäft auf der am 12. April eröffneten Mailänder Messe, die mit 11 000 Ausstellern aus 46 Ländern ein Riesenausmaß angenommen hat, sehr stark eingesetzt. Unsere Umfrage bei rund 75 der insgesamt über 1200 deutschen Aussteller läßt einen überaus scharfen Wettbewerb erkennen. An sich sind die Absatzmöglichkeiten in Italien recht gut, weil Italiens Volliberalisierung fortbesteht und Italiens Importkraft noch immer wächst. Aber weite Teile des deutschen Angebots sind durch niedrigere Preise der italienischen Konkurrenz, durch hohe Zölle, durch ein "Dumping" Englands und durch die größere Möglichkeit anderer Länder, bessere Zahlungsziele zu gewähren, gehandikapt.

Die Importeure deutscher Ware stehen wie vor einem Rätsel und glauben an eine Subventionierung der englischen Firmen durch ihre Regierung. Ein 40 PS-Schlepper kostet seitens Deutschland 2,4 Mill. Lire, seitens England 1,9 und seitens der italienischen Firma "OM" nach der kürzlich erfolgten Senkung um 200 000 Lire nur noch 2 Mill. Lire. Weit besser ist aber die Lage für sonstige Landmaschinen. Bei den schweren Werkzeugmaschinen, von denen u. a. eine einzige Vertretung in Italien für 0,5 Mrd. Lire deutsche Ware in der großen Maschinenhalle zusammengebracht hat – ein wirklich imponierendes Bild –, sind die deutschen Spezialmaschinen, wie etwa Fräsmaschinen, unbestritten überlegen.

Der Preisdruck geht vor allem von der Tschechoslowakei aus, die durch Kompensationsgeschäfte billige Ware nach Italien bringt. Besonders scharf ist der Wettbewerb bei graphischen Maschinen, wo Deutschland stark vertreten ist. Die deutschen Maschinen werden durch den hohen Zoll sehr teuer (um 40 bis 50 v. H. höhere Preise) und können nicht die verlangten Raten (in Sizilien will man bis zu 48 Monaten) einräumen. Dank der Qualität und dem glänzenden Kundendienst der Vertretungen in Italien kommt Deutschland aber dennoch zum Zuge, obschon diese Ware von der Liberalisierung obendrein ausgenommen ist und der umständlichen Einfuhrlizenzen bedarf.

Stark wurden ferner deutsche Schuhmaschinen in Italien nachgebaut, die zu weit niedrigeren Preisen angeboten werden. Man sagte uns, die deutschen Preise hätten die Fühlung mit der Wirklichkeit verloren. Als Beispiel wurde eine Doppelmaschine genannt, die von Italien für 550 000 Lire angeboten wird, während das vergleichbare deutsche Modell 800 000 Lire plus einem – Zoll und zusätzlichen Spesen von 30 v. H. kostet. Bei einer Fabrikmarkenprägemaschine verhalten sich die Preise ähnlicher Erzeugnisse wie 400 000 zu 14 Mill. Lire. Da überdies nicht die gewünschten Ziele von 20 Monaten eingeräumt werden können, dürfte auf diesem Gebiet nur mit einigen Spezialmaschinen etwas zu machen sein. Ganz ähnlich ist es bei den Maschinen zur Lederherstellung. Bei den Schreibmaschinen ist eine erdrückende Fülle von Konkurrenzprodukten auf dem italienischen Markt, so daß sich eine Marktsättigung bemerkbar macht. Hier haben die Schweden infolge einer besonderen Organisation durch eine Einfuhrfirma einen gewissen Vorteil. Datumsstempel sind etwa 40 v. H. im Preise zu hoch. Der Feind deutscher Bleistifte sind die (ebenfalls von Deutschland angebotenen und von Italien produzierten) Kugelschreiber aller Art.