Als am 21. Juni 1948 die Bank deutscher Länder ihre DMark-Rechnung eröffnete, standen auf der Aktivaseite praktisch nur 5,4 Mrd. DM an verzinslichen Ausgleichsforderungen, auf der Passivaseite dagegen 1,9 Mrd. DM an umlaufenden Zahlungsmitteln und 3 Mrd. DM Einlagen öffentlicher Stellen. Die D-Mark war also von Anfang an durch (allzu niedrig verzinsliche) Schuldverschreibungen des Bundes "gedeckt". Inzwischen (d. h. bis zum Wochenausweis vom 15. April) ist die Bilanzsumme der BdL auf 12,7 Mrd. DM angewachsen. Neben die Ausgleichsforderungen sind Gold und Devisen mit 4,5 Mrd. DM und Inlandwechsel mit 1,8 Mrd. DM (um nur die großen Posten zu nennen) getreten. Gold- und Devisenguthaben sind im allgemeinen unverzinslich; Erträge bringen der Bank also vor allem das Wechselgeschäft – und die Ausgleichsforderungen. Sie stellten (1951) mit einem Betrag von 155 Mill. DM den Löwenanteil an dem Gesamtertrag von 303 Mill. DM.

Das erscheint dem Bundestagsabgeordneten Noell von der Nahmer als "ungerechtfertigt". Er hat deshalb beim Bundestag beantragt, die Ausgleichsforderungen In unverzinsliche und untilgbare Schuldbuchforderungen des Bundes umzuwandeln. Dagegen läßt sich viel sagen und ist auch viel gesagt worden. Es geht in der Tat nicht an, daß der Restbetrag der alten Reichsschulden, der bisher nur einen nominellen Zinssatz zu tragen hatte, praktisch gestrichen wird. Damit würde die Rechnung der Bank deutscher Länder aus den Fugen geraten. Nicht nur, daß auf der Aktivaseite der Bilanz eine fiktive Größe erscheinen würde –, auch die Gewinn- und Verlustrechnung des Institutes würde in ihr Gegenteil verkehrt.

Der Antrag des Abg. Noell von der Nahmer ist also wenig durchdacht. Vielleicht aber liegt ihm die richtige Erkenntnis zugrunde, daß in der Bilanz einer Notenbank, also eines reinen Geldinstitutes, nicht marktgerecht verzinsliche und deshalb nicht marktgängige Forderungen nichts zu tun haben. In der BdL-Bilanz stehen Ausgleichsforderungen stellvertretend für Gold, Devisen, Handelswechsel, Schatzwechsel und Wertpapiere. Da der Geldumlauf der deutschen Wirtschaft inzwischen eine Größenordnung erreicht hat, die sich nicht mehr wesentlich ausweiten läßt, blockieren die Ausgleichsforderungen in der Bilanz der Bank den Raum, in den bei einer weiteren Normalisierung entsprechende Werte einrücken müßten. Hier können in der Zukunft Schwierigkeiten für die Notenbank entstehen. Sie haben sich bereits im vergangenen Jahr abgezeichnet, als ständig aus den Gewinnen des Außenhandels neues zusätzliches Geld in den Wirtschaftskreislauf einfloß. Damals mußte die BdL Gold und Devisen hereinnehmen, ohne daß sie der damit verbundenen "ausweitenden" Entwicklung recht entgegenwirken konnte. Wären die Ausgleichsforderungen marktgängige Papiere, so hätten sie in einer solchen Situation im Zuge einer Offenmarktpolitik abgestoßen werden können, und das vorher durch Hereinnahme von Gold und Devisen geschaffene Geld wäre also wieder aufgesogen worden. Über die Geschäftsbanken, bei denen die Ausgleichsforderungen ähnliche Probleme aufwerfen, würden sie mit der Zeit zur privaten Kapitalanlage – wohin sie auch, als Staatsanleihen, gehören! Man kann das Problem der Ausgleichsforderungen nicht dadurch lösen, daß der Staat seine eigenen Schulden streicht, sondern allein dadurch, daß sie marktgerecht verzinst und planmäßig getilgt werden, damit sie zu ausreichenden Börsenkursen Käufer finden. Es muß also genau umgekehrt verfahren werden, und keinesfalls so, wie der Antrag Noell von der Nahmer es besagt. Rgb.