Das Dunkel zu liebten, das zur Zeit noch über dem Buttermarkt liegt, sind alle interessierten Stellen bemüht. Der Verwaltungsrat der Einfuhr- und Vorratsstelle für Fette wird Anfang Mai wieder zusammentraten, um die Situation zu erörtern. Allgemein besteht die Hoffnung, daß man bis dahin klarer sieht.

Mit Beginn des Weideauftriebs im März/April beginnt für die Bauern die kritische Zeit, in der sie dann mit der sprunghaft steigenden Butterproduktion um den Milchpreis bangen, der eine der wesentlichsten Einnahmequellen in der Landwirtschaft ist. Ihn möglichst stabil zu halten, ist auch in diesem Jahr das Bestreben der Bauernorganisationen. Über die landwirtschaftlichen Genossenschaften beherrschen sie ohnedies 80 v. H. der in die Molkerei zur Anlieferung gelangenden Milch ... und damit den Markt. Trotz allem haben sich in der Vergangenheit zum Nutzen und zum Schaden des Verbrauchers Einbrüche, in das sehr komplizierte Milchpreisgefüge nicht, verhindern lassen. In der Zeit des vorjährigen Überflusses ist. der Butterverbrauch wie nie zuvor gestiegen. Die Quittung für die im Herbst und Winter folgende Knappheit und Verteuerung (die sich nur teilweise und unzulänglich ausschließlich mit der vielzitierten "Sommerlichen Dürre" erklären ließ) erteilte der Verbraucher dann, indem er seinen Butterkonsum einschränkte und vornehmlich auf die ungleich billigere und immer besser werdende Margarine auswich.

Ob es gelingt, in den kommenden Wochen und Monaten die Absatz-Voraussetzungen für das Mehr an Butter zu schaffen, ist die Doktorfrage, über die die Ansichten der Experten auseinandergehen. Bisher wurde in den halbamtlichen Zahlen – genaue Zahlen über die tatsächlich in den Händen der Absatzzentralen und des Großhandels befindlichen Buttermengen sind nicht zu beschaffen – für die ersten Monate des Jahres ein Verbrauch von 21 500 t monatlich angegeben. Je nach dem Maße, in dem der Verbrauch steigt, richtet sich aber die Menge, die die genossenschaftlichen Organisationen auf Lager nehmen müssen, um im eigenen Interesse den Markt nicht mit einem Zuviel in belasten. Es kommt hinzu, daß bis zur Umstellung auf den reinen Weidebetrieb die gewonnene Butter nur sehr beschränkt lagerfähig ist. Der Staat selbst hat für dieses Jahr die Einlagerung von rund 8000 bis 10 000 t Butter als Manipulationsreserve und Ausgleich für die Wintermonate vorgesehen. Wann er jedoch in das Marktgeschehen eingreifen wird – voraussichtlich frühestens Ende Mai – und zu welchem Preis er einlagert, ist die weitere Frage, über die man sich den Kopf zerbricht. Die entsprechenden Mittel für die staatliche Einlagerung sind im Haushalt 1953/54 vorgesehen; allerdings fehlt noch die Bewilligung des Parlaments.

Der Bundesfinanzminister ist an niedrigen Einlagerungspreisen zur Erleichterung des Staatssäckels interessiert, die Bauernorganisation wegen des Milchpreises jedoch an hohen. Wenn es nach ihr geht, soll mindestens ein Preis von 530 DM jezt zugrunde gelegt werden. Der Marktpreis liegt allerdings teilweise inzwischen Schon niedriger. Aus diesem Grunde lagert zur Zeit das Milch-, Fett- und Eierkontor über die Zentralen in der Hoffnung ein, die über den Verbrauch hinausgehenden und nur beschränkt lagerfähigen Bestände wieder in den Markt schleusen zu können, wenn die staatliche Einlagerung beginnt. – Die Rechnung weist somit noch viele Unbekannte auf. Ob sie stets zu Nutz und Frommen des Verbrauchers aufgeh:, wird bereits jetzt schon vielfach bestritten ...

Vor einiger Zeit hatte der Handel den Genossenschaften vorgeschlagen, eine gemeinsame Lagerhaus-G.m.b.H. zu gründen, um ohne den Staat die Butterproduktion in der direkten Regie der Wirtschaft einzulagern. Wohl in erster Linie, um den Staat von seiner ihm im Milch- und Fettgesetz vorgeschriebenen Pflicht zur Lagerhaltung nicht zu entlasten, wurde dieser Vorschlag in diesen Tagen abgelehnt. Zu einem Teil werden auch die Überlegungen maßgebend gewesen sein, daß man den Markt allein von landwirtschaftlicher Seite meisten könne – also ohne Mitwirkung des Handels. Die Bundesrepublik ist allmählich zum Selbstversorger in Butter geworden. Rund 300 000 t beträgt die jährliche Produktion, so daß das Bundesernährungsministerium im Versorgungsplan 1953/54 nur noch eine Einfuhr von 7000 bis 10 000 t für notwendig hält.

Immerhin ist es nicht ausgeschlossen, daß wir auch in diesem Jahr wieder eine Neuauflage des seit Jahren sich wiederholenden Butterstreites erleben. Wahrscheinlich dürfte er solange existieren, bis ein klarer Sommer- und Winterpreis für Butter angewendet und bis mit brauchbaren Mitteln der Trinkmilchverbrauch ausgeweitet wird und die Landwirtschaft – wo immer möglich – selber zum-Butterexport übergeht. Erst wenn sich der Gedanke durchsetzt, daß die Bundesrepublik nicht in jedem Falle nur Agrareinfuhrland ist oder der heimische Markt in erster Linie der eigenen Landwirtschaft reserviert bleiben muß, werden sich die unerquicklichen Spannungen zwischen gewerblicher Wirtschaft, Handel und Verbrauchern auf der einen und der Landwirtschaft auf der anderen Seite wirklich mildern. Eine Abkehr vom Prinzip, daß einer Leistungs- und Qualitätssteigerung in jedem Falle erst die Sicherung des Absatzes vorangehen müsse, dürfte allmählich dringend geboten sein. Bis dahin werden wir uns jedes Jahr erneut auch über den Milch- und Buttermarkt unterhalten müssen, ob wir wollen oder nicht. Günther Grüneberg