In seiner westfälischen Heimatstadt Werdohl feiert heute der ehemalige Generaldirektor des Zeppelin-Konzerns, Kommerzienrat Dr. ing. e. h. Alfred Colsmann, seinen 80. Geburtstag. Als einer der ersten in Deutschland hat er, obwohl gerade erst die Gebrüder Whrigt ihre ersten Flüge ausgeführt hatten, die Bedeutung des Aeroplanes für die Zukunft erkannt. Deshalb förderte er den Bau von Flugzeugen, die Anlage von Flugplätzen und den Flugsport, wo immer er es nur konnte. Auf seine Initiative hin wurde am Bodensee von Dornier das erste Metallflugzeug der Welt konstruiert, später von Rohrbach in Staaken bei Berlin das erste Riesenflugzeug gebaut, das die Welt sah und dessen Vollendung die Alliierten nach Ende des ersten Weltkrieges nur zuließen, weil sie an eine solche Möglichkeit nicht glaubten. Da es weder verkauft noch verschenkt werden durfte, ließ man es schließlich verschrotten. Mit Walter Rathenau und Cuno gründete Colsman die Aero-Union, die erste Luftverkehrsgesellschaft, nachdem er viele Jahre zuvor schon die Maybach-Motorenwerke, den Dornier-Flugzeugbau und die Zahnradfabrik Friedrichshafen ins Leben gerufen hatte.

Noch lange bevor die Staatsmänner von heute an ein vereintes Europa dachten, hat der jetzt Achtzigjährige für diese Idee gekämpft. "Ein Luftverkehr", schrieb er einst, "wäre geeignet, nicht nur die durch Ozeane, sondern auch die durch Klüfte des Mißverstehens getrennten Völker in Europa einander näherzubringen und im deutschen Volk starke Gefühle auszulösen. Ein Bau gemeinsamer, über den Nationalismus sich hinwegschwingender Brücken würde die Völker Europas lehren, europäisch zu denken. Nur wenn das gelänge, nur wenn diese Völker beginnen, Brücken zu gemeinsamen Zielen zu bauen, Brücken statt Unterstände, werden sie die Straßen finden, die zur Sicherheit, Wohlfahrt und zum Frieden führen; auch nur dann würde den Kommenden unter uns Aussicht auf Arbeit und Wiederaufstieg des Menschengeschlechtes eröffnet." Walter F. Kleffel