Die gemäß dem Grundgesetz am 31. März 1953 in Kraft getretene und von verschiedenen Frauenorganisationen mit großen Hoffnungen erwartete formale Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau fängt an, sich in allererster Linie für die Frauen als eine Gefahr zu erweisen. In einem gewissen Maße war das vorauszusehen, weil alle juristische Gleichberechtigung nichts an der sozialen Ungleichheit ändern kann, die darin liegt, daß der weitaus größere Teil des Volkseinkommens von Männern vereinnahmt wird und nur der Rest von Frauen. So hat jetzt z. B. ein Frankfurter Gericht das Prinzip der Gleichberechtigung in einer Ehescheidungssache angewandt. Während es bisher Übung war, dem Ehemann die Leistung eines Prozeßkostenvorschusses aufzuerlegen, wenn die Ehefrau auf Scheidung klagte, entschied das Gericht, daß nach der heutigen Rechtslage das einstige Recht der Ehefrau auf Vorauszahlung von Prozeßkosten durch den Mann nicht mehr anzuwenden sei. Gleichzeitig hat ein anderes Gericht in einer ähnlichen Sache gegenteilig entschieden; doch dürfte die Frankfurter Entscheidung sich durchsetzen, weil die Pflicht zur Kostentragung sich nicht aus dem (weiterhin gültigen) Eherecht, sondern aus dem Güterstandsrecht ergibt, bei dem jetzt der Gleichberechtigungsgrundsatz angewandt werden muß.

Eine weitere, jetzt schon sichtbare Folge ist die, daß die Gerichte in Unterhaltsprozessen, die die Frau für ihre Kinder gegen den Mann führt, regelmäßig Unterhaltspfleger einsetzen, weil die veränderte Rechtslage zu merkwürdigen Folgen führt. Für den Unterhalt der Kinder haftete bisher der Mann vor der Frau, jetzt auf Grund des Gleichheitsgrundsatzes dagegen die Frau solidarisch neben dem Mann. Somit ergibt sich ein Interessenkonflikt bei der Frau, die, wenn sie gegen den Mann einen hohen Unterhaltsanspruch für die Kinder durchsetzt, befürchten muß, für diesen hohen Unterhaltsanspruch auch selbst herangezogen zu werden. Es besteht also die Gefahr, daß manche Mutter aus diesem Grund nicht wagt, Unterhaltsansprüche in einer angemessenen Höhe zu stellen, weshalb die Gerichte diese Aufgabe jetzt Unterhaltspflegern zuweisen. Man sieht, daß schon in diesem Stadium sogar die Kinder von dem Gleichheitsgrundsatz betroffen sind. Was sich an weiteren Komplikationen ergeben wird, ist unabsehbar. P.