Wir hörten:

Der deutsche Hörer ist durch den unglückseligen Wellenplan kaum in der Lage, mehr zu hören als eine oder zwei Stationen. So würde den Allermeisten ein Werk, das gerade in Deutschland besonders interessieren muß, unbekannt geblieben sein, wenn es nicht im Jahr 1952 den internationalen Preis für funkeigene Werke, den "Prix d’Italia", bekommen hätte und dadurch auch deutschen Programmleitungen aufgefallen wäre: das französische Musikhörspiel "Le Joueur de Flute" nach der Sage des Rattenfängers von Hameln (der Südwestfunk übernahm es von Paris). Ein Musikhörspiel? Der französische Rundfunk nannte es ein "radiophonisches Ballett". Aber es ist ein Hörspiel, doch ohne Text. Nur am Anfang erzählt eine Kinderstimme kurz den Hergang. Dann beginnt das Spiel. Bei dem Jahrmarktsfest hält der Bürgermeister von Hameln eine Ansprache, ganz ohne Worte, nur in Vokalen und lalala, aber der Hörspielkomponist Marius Constant hat dafür gesorgt, daß der Hörer den Sinn der Bürgermeisterrede gut versteht. Es kommt die Pest und mit ihr Chöre des Entsetzens, wieder nur auf Vokale gesungen. Die Ratten erscheinen: das Thema des Festmarsches, in zehnfacher Beschleunigung vom Magnetophonband abgespult, ergibt eine melodisch rhythmische Form des Rattengequietsches. Der Rattenfänger tritt auf – keine Menschenstimme, sondern Englisch Horn. Die Geschehnisse sind völlig deutlich, der Worte bedarf es nicht. Wie schwer machen es sich unsere Autoren und Komponisten, wenn sie Funkopern schreiben, bei denen man vor lauter Musik kein Wort versteht! Und wie leicht hat es Marius Constant den Hörern gemacht, die Geschichte zu verstehen, die er ihnen in Töne erzählt!

Wir werden sehen:

Mittwoch, 13. Mai, 21.00 im NWDR:

Albert Lortzings parodistisdier Einakter "Die Opernprobe" könnte auf dem Bildschirm seine intimen Reize gut zur Geltung bringen. Gerhard Maass leitet das Kammerorchester und die Sänger, die die italienische Melodienseligkeit zu verspotten haben.

Wir werden hören:

Donnerstag, 7. Mai, 20,05 vom NWDR: