Auf die Frage, welche Aussichten sich für unsere Wirtschaft bieten, erhoffte man von der Technischen Messe in Hannover eine Antwort. Während der zehn Messetage, die durchweg gut besucht waren, ließ sich so viel erkennen, daß wir keinen Umschwung zu erwarten haben. Vielleicht hat mancher eine klarere Antwort erwartet; denn die vergangenen Jahre scheinen uns an starke Konjunkturschwankungen gewöhnt zu haben. Aber diesmal ließ sich in Hannover keine Überraschung erkennen. Der oft scharfe Wettbewerb hat sich nicht verringert; der Druck auf viele Preise hat nicht nachgelassen. Erfahrene Aussteller fassen das Ergebnis dieser Tage so zusammen: wer nicht nur gekommen ist, um Geschäfte abzuschließen, der wird zufrieden sein. In der Tat zeigte sich in Hannover, daß eine Messe imstande ist, viele andere Funktionen zu erfüllen, die zwar alle mit dem Geschäft zu tun haben, aber nicht sämtlich unmittelbar zu Geschäften führen.

Die Preise wiesen entweder eine leichte Tendenz nach unten auf – manchmal echte Kostenverbilligungen – oder aber sie hielten sich stabil, was heißt, daß die vielfach steigenden Kosten von den Betrieben aufgefangen wurden, vorwiegend veranlaßt durch den anhaltenden Preisdruck. Aus einigen Branchen war zu hören, daß das derzeitige Preisniveau die kalkulatorisch mögliche und verantwortbare Grenze, jedenfalls was den Durchschnitt und die Mehrzahl der Erzeugnisse betreffe, erreicht habe. Man wird dies jedoch nicht verallgemeinern können, höchstens so weit, als sich diese Feststellung auf den gegenwärtigen Produktionsstand bezieht. Jedenfalls ist es so erklärlich, daß im Vordergrund der Exportverhandlungen von den Käufern oft Verlängerungen der Zahlungsziele gefordert wurden. Aus dem Maschinenbau war zu hören, daß bei großen Objekten mehrjährige Zahlungsziele erbeten wurden; selbst in der Chemie, deren Erzeugnisse ja überwiegend zum konsumnahen Bereich gehören, sind verschiedentlich an die Stelle von früher dreimonatigen Fristen solche von zwölf Monaten getreten. Die Exportfinanzierung wächst sich also zu einem immer größeren Problem aus.

Die Wettbewerbslage unserer Industrie auf dem Weltmarkt läßt sich auf Grund der Messegespräche nicht viel klarer beurteilen als zuvor. Manches in Hannover gezeigtes echtes Interesse ausländischer Käufer läßt sich – jedenfalls vorerst nicht – "ummünzen", weil handelspolitische Erwägungen künstliche Barrieren ziehen. Allgemein scheint sich aber unsere Stellung auf dem Weltmarkt in den ersten Monaten dieses Jahres kaum wesentlich verändert zu haben. Die feinmechanische und optische Industrie vermochte beispielsweise ihren ersten Platz zu behaupten, und die Chemie konnte ihren vorjährigen Exportrückgang wieder etwas ausgleichen.

Bemerkenswert erscheint es, daß in Hannover auch von verschiedenen im Nahen Osten interessierten Firmen wieder Gespräche in dieser Richtung geführt wurden, die zur Hoffnung berechtigen, die etwas versteifte arabische Front allmählich wieder aufzulockern. td.