Der über 70jährige Friedrich Flick hat seinen alten unternehmerischen Elan wieder einmal in Erinnerung gebracht. Den alliierten Verkaufsauflagen, die deutschen Großindustriellen diktiert worden waren und denen zufolge die Familien Thyssen, Klöckner, Flick Kohle oder Eisen, und Krupp sogar beiden Montanzweigen Adieu sagen müssen, ist Friedrich Flick unwahrscheinlich schnell gefolgt. Er ist dabei geschickt in eine sich bietende Situation eingesprungen, als die Verhandlungen der Krupp-Gruppe mit den Franzosen um den Verkauf der Majorität der Zeche "Konstantin der Große" sich festgefahren hatten. Flicks Versuche, eine seiner Kohlenbeteiligungen an deutsche Interessenten zu veräußern – wobei er mit der Bundesbahn lange konferierte – führten zu keinem Ergebnis. So ist die 60 %ige Flick-Majorität an der entflochtenen neuen Harpener Bergbau AG., Dortmund, in französischen Besitz übergewechselt. Es handelt sich dabei um etwa 50 v. H. der gesamten Flick-Kohle. Die Käufer, ein Konsortium von de Wendel, Sidelor und Chatillon Commentry, haben den Kaufpreis für die rund 76,5 Mill. DM Harpen-Aktien bereits bezahlt –, die Hälfte in Sperrmark, die andere Hälfte in Devisen sowie noch im einzelnen festzulegenden Beteiligungen an westeuropäischen Unternehmungen der Käufergruppe. Der Kaufpreis wird als erheblich über dem rechnerischen Neu-Harpenkurs von 66,5 v. H. liegend angegeben. Darunter möchten wir wohl einen Satz von über 200 v. H. verstehen.

So ernüchternd einerseits der Übergang bester deutscher Ruhrkohle mit einem Förderanteil von 4 v. H. an der gesamtdeutschen Steinkohlenförderung in Auslandsbesitz ist, womit das Ausland hinter der öffentlichen Hand, die eine Besitzquote von 18,4 v. H. hat, zum zweitgrößten Kohlenbesitzer in Deutschland wurde (Anteil nunmehr 13 v. H., davon Frankreich 7,5, Luxemburg 3,6, Holland 1,96 v. H.), so darf dies jedoch nicht die einzige Kommentierung sein. Die französische Beteiligung ist auch als ein Vertrauensvotum des privaten Auslandskapitals für die Bundesrepublik zu werten. Zum anderen dürfte endlich ein lang und vielfach von deutscher Seite gehegter Wunsch der Verwirklichung näher kommen, nämlich die Verzahnung der Montanwirtschaft Europas nicht nur auf der politischen Ebene der Montan-Union weiter zu verfolgen, sondern sie durch privatindustrielle Eigentumsverlagerungen zu unterbauen. Die Friedrich Flick Kom.-Ges., Düsseldorf, deutet diese Entwicklung mit dem Bemerken ihres Verwaltungskommuniqués an: "Verhandlungen über die Festlegung eines Teiles des Kaufpreises in westeuropäischen Beteiligungen sind im Gange."

Wir möchten daran die Hoffnung knüpfen, daß bei den noch offenstehenden Zwangsverkäufen an Klöckner-Kohle und Krupp-Kohle der hier von Mick begonnene Weg verstärkt beschritten werden

dann, sofern Auslandskäufer auftreten. Rlt.