Ein nicht minder bekanntes Produkt Bremer Herkunft als der Borgwardwagen und mit nicht geringerem Knall an die Welt gesetzt, ist Kaffee Hag, manch schwachen Herzens guter Freund. Allerlei Anekdoten werden über sein Entstehen erzählt, von denen vermutlich keine mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Auch sein Erfinder, Ludwig Roselius, war eine Persönlichkeit. Aber seine Tätigkeit als Industrieller beanspruchte nur eine Seite seiner Veranlagung, er war zugleich Sammler, Anreger und Mäzen, Dichter, Architekt und Schausteller. Er zog Schriftsteller an und Dichter, um ihr Werk feiern zu lassen. Seine Basis war die "Böttcherstraße" (Straße und Zeitschrift). Wenn vor dem Krieg ein Amerikaner von Bremen sprach, erzählte er zuerst von der Böttcherstraße und dann erst von Dom, Ratskeller oder dem Norddeutschen Lloyd.

Die eine Seite dieser von Roselius nachgeschaffenen Straße ist von Giebelhäusern besetzt, die man Alt-Bremen-Show nennen könnte, mit Läden, Restaurants und der alten von Halemschen Exportbuchhandlung, jenem Unternehmen, das seit Generationen von Bremen aus das deutsche Buch nach Übersee vermittelt.

Die andere Seite der Straße gehört Theater, Kino, Kunstausstellungen und vor allem dem Paula-Modersohn-Haus, das augenblicklich im Wiederaufbau und eine Produktion des Architekten Hoetger ist. Ähnlich wie er das an der Albenburg tat, die er sich als eigenen Wohnsitz auf einer Geesthöhe bei Worpswede gebaut hat, kochte er auch hier altgermanischen Stil mit dem Jugendstil zusammen. Bei der Eröffnung im Jahre 1927 hielt Roselius eine Rede, in der er sagte: "Das Wesen einer niederdeutschen Gemeinschaft ist ein recht enges. Es besteht darin, zusammen stärker zu sein als der einzelne. Ein Bremer, der sich in Bremen hervortut, ist eigentlich kein Bremer mehr – verstößt er doch gegen das heilige Gesetz des Durchschnitts." Vier Jahre vorher hatte er geschrieben: ",Bremer Bürger‘ war lange Zeit eine Bezeichnung von Klang und Wucht, und ein Merkstein der Bürgereid, der den Jüngling erst zum Manne machte. Mit dem Namen eng verbunden, war die Unabhängigkeit und das Freiheitsgefühl des einzelnen, der Stolz, vor niemandem den Nacken beugen zu müssen; kein Fürst, kein Adel konnte Unterwürfigkeit oder Gehorsam verlangen, der Bremer Bürger schaute offen und gerade dem Fremden ins Gesicht, nicht Rang noch Würden, nur Menschenrechte gelten lassend. Die Rückendeckung durch die Gesamtheit der Bürger, die von dem gleichen Geist der demokratischen Freiheit und einer inneren Selbstbewußtheit beseelt waren, gewährte dem einzelnen Sicherheit des Auftretens, Kühnheit des Entschlusses, Unabhängigkeit der Handlung."

Wollen auch wir diese Ausdeutung als das authentische Bildnis des Bremers annehmen. Seine Stadt war in den Anfängen das Rom des Nordens, denn sein Bischof gebot kirchenmäßig über ganz Skandinavien und im Osten bis in die Kurlande. Darin liegt der seelische, soziale und politische Untergrund der Entwicklung des Bremers. Aus ihm hat er sich in einem kämpferischen Werdegang zum Republikaner entwickelt, dem es heute anstößig erscheint, einen Orden anzunehmen.