Wo Tabak wie in Sumatra wächst ...

Wenn im Alltagsleben Kaffee und Tabak als Genußmittel oder Stimulantia mitlaufen, so sind sie in einem Hafenort darüber hinaus mit einer zweiten Existenz begabt: sie sind Ware. Ware speist Hafen und Handel und bläst der Seele der Wirtschaft den Odem ein. Diese Existenz begreift sowohl Masse wie Kasse in sich. Hier ein Anhaltspunkt im groben und großen! Der Warenumlauf in den Häfen von Bremen betrug letztes Jahr für den Posten Import 5 765 000 Tonnen, für die Ausfuhr 4 Millionen. Das bedeutete auf Konto des Imports einen Wert von 2840 Millionen DM, der Wert des Exportes wurde mit 1,6 Milliarden festgestellt. Beides ergibt eine jährlich sich wiederholende und nur wenig schwankende Summe, die etwas höher liegt, als die 1871 von den Franzosen an Deutschland bezahlte einmalige Kriegsentschädigung von 5 Milliarden Franken.

In Bremen gehören gerade Tabak und Kaffee deutlich zum Begriff "Ware und Handel", während andere Importe sofort anonym werden, wenn sie aus dem Laderaum des Schiffes gleich in Tanks, Silos, Spinnereien verschwinden und in völlig veränderter Form im öffentlichen Leben wieder erscheinen: Getreide als Backware oder Futtermittel, Kohle als Dampf und Hitze, Baumwolle als Gewebe, Benzin als Kraft und Schnelligkeit.

Die Statistik notierte für 1952 folgende Volumen der Einfuhr: Getreide und Kohle je 1 Mill. Tonnen, Erze 487 000, Benzin 315 000, Holz und seine Produkte 270 000, Baumwolle und Wolle 235 000. Aber was ist das? Für Kaffee stehen nur 15 000 und für Tabak 40 000 Tonnen da! Wir müssen allerdings mitrechnen, daß wertmäßig eine Tonne Kaffee oder Tabak natürlich viel, viel teurer ist als eine Tonne Getreide oder Steinkohlen, so daß sich die kleineren Gewichtssummen jener in anderen Proportionen auf das Lichtschild der allgemeinen Wirtschaft projizieren als die Monstrezahlen der ebengenannten Güter. Und da jene teuren und erlesenen Produkte, sobald sie in den Umlauf des Tages eingetreten sind, die Phantasie in ganz anderer Weise ansprechen als die Massengüter, braucht ihr Auftreten in einem Museum in Bremen keiner besonderen Einführung.

Dieses Museum steht am Hauptbahnhof. Es nennt sich: Übersee-Museum. Es bringt so weit auseinanderliegende Stoffwelten, wie Ethnographie und Rohprodukte, Fauna und Verkehr unter ein Dach. Und dieses Haus wirkt ganz besonders als dem Geiste Bremens nahe, einer Stadt, in der Zehntausende von Menschen durch ihren Beruf immer das Gesicht der weiten und fremden Welt zugekehrt haben.

Tiefschwarze Melanesier

Auf einem Ritt durch die Anden Ekuadors trat einmal nachts ein einheimischer Mann mit allen Zeichen der Geheimtuerei in meinen Schlafraum, faltete mit unverständlichem Geflüster ein Paket aus Zeitungspapier halb auf und deutete mir hineinzuschauen. Ich stieß einen leisen Ruf des Schreckens aus. Was ich einen Monat lang in Quito vergeblich gesucht, lag in diesen Zeitungen versteckt. Im Lande war es schwer zu bekommen, denn auf seinem Besitz allein stand Gefängnisstrafe. Einen Monat zuvor hatte es einen Attaché der amerikanischen Botschaft getroffen ...