Auf den Lebensmittel- und Rohstoffmärkten hat sich die Zurückhaltung der Käufer fortgesetzt. Handel und Industrie decken überall nur den dringendsten Bedarf, weil das Preisniveau zu unsicher ist und plötzlich neue Rückgänge eintreten können oder notleidende Partien zu Preisen angeboten werden, die beträchtlich unter den Tagesnotierungen liegen. Denn die Grundstoffproduzenten und der Großhandel sitzen vielfach auf größeren Beständen fest und können häufig nur zum Geschäft kommen, wenn sie ihre Waren billiger abgeben. Das ist gegenwärtig oft der Fall, vor allem im Metallhandel, der durch die Marktentwicklung seit Ende März beträchtliche Verluste erlitten hat.

In den letzten beiden Wochen Ist neben dem bisher recht widerstandsfähigen Markt der Die und Ölsaaten in USA auch der labile Getreidemarkt von neuen Rückschlägen heimgesucht worden, obwohl nach dem positiven Ergebnis der Verhandlungen über das internationale Weizenabkommen – inzwischen haben alle bisher beteiligten Länder mit Ausnahme von England ihre Zustimmung erklärt – eigentlich eine Befestigung zu erwarten gewesen wäre. Außer Gerste sind sämtliche Getreidesorten im Preise zurückgegangen. Am stärksten. Roggen in Chikago, nämlich um 8 cts je bushel, Weizen um 2 5/8 cts.

Auf dem Markt der Ölsaaten und vegetabilen Die haben die lange Zeit verhältnismäßig festen Preise neuerdings auf der gesamten Linie nachgegeben. Sehr stark zurückgegangen ist Leinsaat in Winnipeg (von 322 cts je bu auf 304 1/4 cts) und Kopra in New York (von 262,50 $ je sht auf 205 $). In England, wo die Einfuhr der Ölsaaten und Die noch immer Monopol der Regierung ist, sind die Preise für eßbare Die dagegen unverändert geblieben, während die Abgabepreise für technische Die Ende März kräftig gesenkt und endlich in Übereinstimmung mit den Weltmarktpreisen gebracht worden sind.

Diese neuen Rückgänge dem Lebensmittelgebiet haben Anlaß gegeben, daß der alte Man der Schaffung einer Welt-Nahrungsmittelreserve zu Nutzen und Frommen der USA-Landwirtschaft als größtem Produzenten im Kongreß wieder einmal auf die Tagesordnung gekommen ist. Um den Bedarfsländern Käufe aus dieser Reserve zu erleichtern, soll die Bezahlung in ihrer eigenen Währung erfolgen. Es ist auch bereits ein Gesetzentwurf eingebracht worden, der die C. C. C. ermächtigen soll, überschüssige Bestände zum bestmöglichen Preise abzustoßen oder auszutauschen. Gleichzeitig soll die C. C. C. beauftragt werden, auch fremde Agrarprodukte für die Reserve anzukaufen.

Den internationalen Wollmarkt haben die politischen Ereignisse der letzten Zeit in keiner Weise beeinflußt. Die Wollauktionen in Australien, Neuseeland, Südafrika, ebenso wie die letzten Londoner Auktionen, wurden jeweils vom In- und Auslande gut besucht und das Angebot fast stets völlig geräumt. Die Durchschnittspreise haben sich seit den ersten Auktionen des Jahres, von leichten Schwankungen nach oben und unten abgesehen, wenig verändert, während für beste Ware vielfach ungewöhnlich hohe Preise bewilligt wurden. Englische Fachkreise sind, der Meinung, daß sich der Markt für Rohwolle wegen der anhaltend guten Nachfrage auch weiterhin gut behaupten wird, gleichgültig, wie sich die politische Entwicklung auch gestaltet. Der englische Versorgungsminister scheint der gleichen Meinung zu sein: er hat angekündigt, daß er seine Stockpile-Käufe für die laufende Saison einschränken und in der nächsten Saison ganz einstellen werde – eine Ankündigung übrigens, die ebenfalls ohne jeglichen Einfluß auf die Preise geblieben ist. – An der New Yorker Börse stehen die Notierungen für Schweißwolle heute auf nahezu dem gleichen Stand wie zu Anfang des Jahres, nämlich auf 146,50 cts je lb gegen 149 cts am 2.1.

Amerikanische Baumwolle hat in der Berichtsperiode im Preise angezogen, obwohl die statistische Lage des Artikels alles andere als günstig ist. Die Baumwollausfuhr aus den USA seit Beginn der Saison 1952/53 bis zum 16. 4. 1953 betrug nur etwa die Hälfte der vorjährigen Ausfuhr, nämlich 2,38 Mill. Bällen gegen 4,77 Mill. Auch der Eigenverbrauch des Landes entspricht nicht den Erwartungen. Der Ausfuhrrückgang in den USA ist den kleineren Baumwoll-Produktionsländern, wie Ägypten und der Türkei, zugute gekommen. o l