Mit der ersten wissenschaftlichen Kalitagung nach dem Kriege in Hannover hat die durch den Krieg und seine Folgen schwer getroffene Kaliindustrie des Bundesgebietes ihre Tradition wieder aufgenommen. Die westdeutsche Kaliindustrie, die 1945 nur noch 39 v. H. der gesamten Vorkriegskaliproduktion besaß, hat heute ihre Förderung an absatzfähigen Kalisalzen bereits mehr als verdoppelt. Allerdings dürfte mit den für dieses Jahr erwarteten 1,3 Mill. t Reinkali vorerst ein Optimum erreicht sein (1938/39 wurden im gesamten Reichsgebiet 1,75 Mill. Tonnen produziert).

Besondere Bedeutung kommt seit vielen Jahrzehnten der Kaliindustrie für unseren Außenhandel zu. Obwohl sich die Umstände merklich zu unseren Ungunsten gewandelt haben, gelang es der "Verkaufsgemeinschaft Deutscher Kaliwerke" als Nachfolgerin des "Deutschen Kalisyndikats", fast wieder den Exportumsatz von 1938/39 mit 412 000 t Reinkali zu erreichen, obwohl nach Kriegsende die Beschlagnahme und Liquidation der vom Deutschen Kalisyndikat in allen außerdeutschen Ländern unterhaltenen Tochtergesellschaften erfolgte. Die kürzlich abgeschlossene Londoner Schuldenkonferenz, die leider als endgültig anzusehen ist, wie Dir. Schmelz sagte, brachte den Verlust dieser Werte. Das Exportgeschäft lief erst ab 1948 an. 1950 wurden für 19,575 Mill. $ Verrechnungswerte erzielt, 1951 bereits für 23,631 Mill., während 1952 einen leichten Rückgang auf 23,300 Mill. $ brachte. Demgegenüber haben die jetzt "volkseigenen" Werke in der sowjetischen Besatzungzone in diesen drei Jahren auf dem Weltmarkt für beinahe 100 Mill. $ Erlöse erzielt, das sind fast ein Drittel mehr als die im Bundesgebiet erreichten Erlöse. Nach dem ersten Veitkrieg verlor die deutsche Kaiindustrie die elsässischen Kaligruben und damit das bis dahin innegehabte Weltmonopol. Und nach dem letzten Kriege machte sich die staatlich gelenkte sowjetzonale Kaliindustrie mit ihren Schleuderpreisen, dem Raubbau an ihren Gruben unter Außerachtlassung der Bedürfnisse ihrer eigenen Landwirtschaft zum Zwecke der Devisen- und Rohstoffbeschaffung auf dem Weltmarkt störend bemerkbar. Ausgebaut wurden auch die Werke in New Mexiko, die heute den USA-Bedarf zu 90 v. H. decken. Desgleichen hat Palästina seine Vorkommen am Toten Meer wieder in Betrieb genommen und in diesem Jahr zum ersten Male 50 000 t Reinkali exportiert.

Bemerkenswert waren für den Absatz die Ausführungen von Prof. Dr. Herlemann, Kiel. Seinen Untersuchungen zufolge steht der Aufwand für Düngemittel in einem bestimmten und relativ konstanten Verhältnis zu den Einnahmen der Betriebe. "Die Nachfrage nach Düngemitteln ist also nicht preiselastisch, sondern einkommenselast sch, d. h. die Landwirtschaft zeigt hinsichtlich des Bezuges von Handelsdünger eine anomale Reaktion." Man dürfe jedoch dieses Verhalten der Landwirtschaft nicht als unrationell bezeichnen, vielmehr verhalte sie sich bei der Bemessung des Düngeraufwandes ähnlich wie ein Haushalt bei Bestreitung des Lebensunterhalts nach dem Prinzip der Bedarfsdeckung. td.