Der bremische Überseehandel reicht mit seinen ersten Anfängen in die zweite Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts. Bremens direkter Handel mit Nordamerika begann 1783. Die Bremer Schiffe segelten zunächst noch unter preußischer Flagge von Emden aus. Da Hamburg damals bereits über einen vielseitigen Kommissionshandel verfügte, den es allmählich zu einem eigenen Handel wandeln konnte, mußte sich Bremen als Einfuhrplatz mit wenigen Stapelwaren einschieben. Die Waren – vor allem Tabak, Baumwolle, Reis, Mineralöl, Tran, Zucker, Kaffee, Häute, Farbholz und Wein – wurden zum Teil als Rückfracht in der Auswandererschiffahrt importiert.

Schon frühzeitig schuf die beherrschende Stellung von Tabak, Baumwolle und Mineralöl in der Reihe der bremischen Importwaren enge Bindungen der Bremer Importeure mit Amerika. Im Jahre 1827 schloß Bremen die ersten deutschen Handelsverträge mit Brasilien und den USA ab. In den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts erlangte Bremen seine Stellung als Welttabakmarkt, lange Zeit hindurch war es der bedeutendste Weltmarkt für amerikanischen Tabak. Auch für Baumwolle entwickelte sich die Hansestadt an der Unterweser neben New Orleans und Liverpool zu einem richtunggebenden Weltmarkt. Im Jahre 1860 kamen auf Tabak und Baumwolle zwei Drittel des gesamten bremischen Einfuhrwertes. Im Mineralölhandel behauptete Bremen, besonders durch enge Verbindungen mit dem Rockefeller-Öltrust. eine Zeitlang seine Stellung als wichtigster deutscher Mineralölhafen.

Durch die beiden Weltkriege hat die Hansestadt nicht nur in ihrer Schiffahrt, sondern auch in ihren kommerziellen Beziehungen zum Auslande schwere Rückschläge erlitten, und es bedurfte beide Male des vollen Einsatzes der bremischen Kaufmannschaft, um die im Kriege zerstörten Brücken zu den internationalen Märkten neu zu schlagen.

Erst seit dem Jahre 1950 kann von einer Normalisierung des Außenhandelsgeschäftes gesprochen werden. Der Gesamtumsatz der 1950 über die bremischen Häfen umgeschlagenen Waren belief sich auf rd. 3 Mrd. DM, 1951 waren es bereits 4,5 Mrd. DM und im vergangenen Jahr 4,7 Mrd. DM. Bei der Entwicklung des bremischen Außenhandelsumsatzes muß berücksichtigt weiden, daß Bremen, entsprechend der angedeuteten historischen Entwicklung seines Überseehandels, überwiegend Einfuhrplatz für gewisse besonders marktempfindliche Rohstoffe ist, deren Preise auf den Weltmärkten im letzten Jahr recht spürbar nachgegeben haben. Die effektive Entwicklung des bremischen Außenhandelsvolumens stellt sich daher noch günstiger, als die Werte für 1951 und 1952 ausweisen.

Das zeigt sich bei einer näheren Untersuchung der Einfuhrstruktur nach Warenarten. Die mengenmäßige Einfuhr von Baumwolle und Wolle hat von 1951 zu 1952 um einige tausend Tonnen zugenommen; der Einfuhrwert für beide Spinnstoffe ging dasesen um insgesamt Mill DM zurück bei einer gleichzeitigen Verminderung der gesamten Werte der Einfuhr über Bremen von 2,8 Mrd. DM auf 2,6 Mrd. DM.

Die Ausfuhr über Bremen trat immer schon in ihrem Gesamtvolumen im Verhältnis zur Einfuhr zurück. Sie hat sich aber seit 1950 recht erfreulich entwickelt:

Mill. DM