Infolge der einseitigen Bevorzugung der Staats- und Länderanleihen im ersten Kapitalmarktförderungsgesetz ist der Rentenmarkt gegenwärtig der einzige Nutznießer des flüssiger gewordenen Geldmarkts. Es ist begreiflich, daß der Anlagesuchende, der bei den Länderanleihen je nach seinem Einkommen zu einer Bruttoverzinsung von 10 bis 20 v. H. können kann, den Aktienmarkt keines Blickes mehr würdigt. Auf diese Weise ist die Industrie von jeglichem Zustrom neuen Kapitals abgeschnitten, ein Zustand, den zu ändern sich viele bemühen, der jedoch allem Anschein nach noch eine längere Zeit anhalten wird. Diese Chance nutzend, haben Hamburg, Niedersachsen und Württemberg-Baden neue Anleihen im Gesamtbetrag von 100 Mill. DM aufgelegt, die in ihren Bedingungen ziemlich gleich sind.

Bei den alten R M - Pfandbriefen sind die Verkäufe an den Börsen nach der Enttäuschung über die Altsparer-Regelung noch immer nicht ganz zum Abschluß gekommen In einigen Fällen erfolgten Positionslösungen im Hinblick auf eine eventuelle Senkung des Kurses für DM-Pfandbriefe, weil man damit rechnet, daß eine solche Senkung zwangsläufig auch zu einer Überprüfung der Bewertung des Kurses für die RM-Pfandbriefe führen muß. – Nach einer längeren Wartezeit wurde jetzt die Wandelschuldverschreibung der Deutschen Erdöl AG, Hamburg, an der Hanseatischen Wertpapierbörse eingeführt.

Trotz einiger positiver Momente ließ sich das Publikum dem Aktienmarkt gegenüber nicht aus seiner Zurückhaltung herausbringen. Obgleich man ziemlich sicher weiß, daß die Mehrzahl der Montangesellschaften, dem Beispiel Mannesmann folgend, mit Gewinnabschlüssen und Dividenden aufwarten wird, ließ man den Montanmarkt in seiner Verkrampfung. Es gibt doch keinen besseren Beweis für die hier herrschende Unterbewertung als die Tatsache, daß der Kurs, zu dem die Aktien der Harpener Bergbau AG in französischen Besitz übergingen, ganz erheblich über dem jetzigen Tageskurs der Papiere liegt, der in DM umgerechnet rund 66 1/2 v. H. beträgt. Selbst wenn man berücksichtigt, daß die Franzosen bei dem Anteil von Sperrmark an der Kaufsumme die Aktien insgesamt um etwa 20 v. H. billiger erwarben als die Kaufsumme ausmachte, so dürfte der Unterschied zu dem deutschen Börsenkurs noch ins Gewicht fallend sein.

Auf der Suche nach lohnenden Objekten interessiert sich die Spekulation seit einiger Zeit für Aktien solcher Unternehmen, die ganz oder mit ihrem Schwergewicht in der sowjetischen Besatzungszone gelegen haben. Wie schnell bei solchen Aktionen das rechte Maß verloren geht, zeigt das Beispiel Ilseder Bergbau, deren Aktien von 16 auf 20 v. H. anstiegen. Bei einem Umstellungsverhältnis von 20:1 kommt man hier auf einen DM-Kurs von 400 v. H. Zur Zeit ist es zumindest schwer, einem derartigen Optimismus zu folgen.

Durch die in Aussicht stehenden Dividenden bei den Nachfolgegesellschaften der Großbanken für 1952 haben sich hier die Kurse weiter befestigen können. Von den Elektrowerten notierten AEG erstmalig in DM, sie waren nach 90 auf 87 v. H. rückläufig. Auch IG-Farben konnten sich trotz lebhafterer Umsätze nicht behaupten und fielen nach 90 auf 87 1/2 v. II. zurück. Eine Sonderbewegung gab es bei der Merkur Kaufhaus AG, die ihre Kurssteigerung fortsetzten und zu 37 1/2 v. H. schlossen (in DM umgerechnet: 290 v. H.). Hervorzuheben sind weiter: Stollwerk 108 1/2–114, Grützner-Kayser 123–131, Schramm Lack- und Farbenfabrik 62–72 v. H.

An der Hanseatischen Wertpapierbörse paßten sich die Aktien der Deutschen Werft dem Niveau der 6 v. H. zahlenden Gesellschaften an. Bei begrenzten Umsätzen pendelt sich der Kurs auf der Basis von 84–85 v. H. aus. Die Bremer Werften konnten sich trotz des’Streiks behaupten. Für Schiffahrtswege blieb das Interesse gering. Nordd. Lloyd waren laufend angeboten. Die Hamburger Standard-Papiere HEW und Hochbahn kamen zu keinen weiteren Kurssteigerungen. - n d t

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