Das Geschäftsjahr 1952, Über das die Nachfolgeinstitute der ehemaligen Dresdner Bank jetzt berichten, stand innerbetrieblich unter dem Einfluß der räumlichen und organisatorischen Wiederzusammenfassung des Geschäfts. Wenn auch die in der früheren Gemeinschaft der alten Dresdner Bank bewährten Grundsätze der Geschäftsführung und Organisation dank der im ganzen aufrechterhaltenen Kontinuität bei den leitenden Personen im allgemeinen erhalten geblieben waren, so ermöglichte doch erst die Wiedervereinigung im größeren Maßstab eine konsequente Rückkehr zu den Vorteilen zentraler Disposition und Arbeitsteilung.

Bei der unterschiedlichen Wirtschaftsstruktur der Räume, die die Institute zu betreuen haben, waren abweichende Entwicklungen in einzelnen Bilanzpositionen unvermeidbar. Die prozentual größere Ausweitung der Bilanzsummen bei dem west- und dem süddeutschen Institut lassen erkennen, in welchem erheblichen Maße sich der wirtschaftliche Schwerpunkt innerhalb der Bundesrepublik nach dem Westen verlagert hat. Die durch die Bauvorhaben der Besatzungsmächte in den rheinischen Gebieten verstärkt durchgeführten Investitionen haben in den Bilanzen ebenso ihren Niederschlag gefunden, wie die zunehmenden Schwierigkeiten, die sich auf dem Gebiet des Außenhandels ergaben.

Die offensichtliche Diskrepanz zwischen den Fremdmitteln und den "Haftenden Mitteln" der Banken, die sich in ihrer Eröffnungsbilanz per 1. Januar 1952 ergab, ist durch die Teilauflösungen der Sammelwertberichtigungen erheblich gemildert worden. Diese Stärkung ist ein wesentlicher Schritt auf dem Wege zur Normalisierung der Bilanzen. Die sichtbare Zunahme der Eigenmittel beträgt bei allen drei Banken zusammen 23,5 Mill. DM. Daneben konnten noch innere Reserven gebildet werden, denn die ausgewiesenen Erträge wurden in allen Fällen erst nach vorheriger Kürzung eingestellt; die guten Überschüsse aus dem Wertpapiergeschäft blieben sogar völlig unberücksichtigt. Diese zweifellos erfreuliche Entwicklung kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß nach wie vor das Bedürfnis nach Erhöhung der haltenden Mittel bestehen bleiben muß. Wenn der Weg über eine Aktienemission nicht gegangen werden kann, so liegt es einfach daran, daß ein funktionsfähiger Kapitalmarkt immer noch nicht geschaffen worden ist.

Unter Führung der Nachfolgeinstitute der Dresdner Bank wurde im Laufe des letzten Jahres im Interesse des Wiederaufbaus der deutschen Handelsschiffahrt an die Gruppe des Nordd. Lloyd ein 7d-Darlehen von insgesamt 15 Mill. DM gegeben; An diesem Betrag beteiligen sich die Nachfolgeinstitute der Dresdner Bank mit rund 10 Mill. DM. Nach dem gleichen Schema wurde um die Jahreswende 1952/53 der Hapeg ebenfalls ein 7d-Darlehen in Höhe von 21 Mill. DM zur Verfügung gestellt. K. W.

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Die Westgruppe der Nachfolgebanken der Dresdner Bank, die Rhein - Ruhr - Bank AG, ist mit 1,188 (1. 1. 1952: 0,965) Mrd. DM Bilanzsumme zu Ultimo 1952 die stärkste der drei Nachfolgegruppen. Die Einlagen erreichen 933 (747) Mill., wovon auf Sichtgelder 456 (443) und auf Termingelder 326 (234) Mill. DM entfallen. Debitoren werden mit 387 (348) Mill. DM ausgewiesen. Um den Geschäftsumfang des Institutes zu beurteilen, müssen jedoch noch die unter dem Strich ausgewiesenen Bürgschaften von 164 (100) und Indossamentsverbindlichkeiten von 173 (179) Mill. DM erwähnt werden. Die Liquidität wird mit 48,4 v. H. angegeben, sie ist somit ungewöhnlich hoch, ja praktisch sogar zu hoch, so daß die Verwaltung von einer "zu guten Liquidität" sprechen konnte. Die Bilanz auch dieses Instituts zeigt, daß der Geldmarkt fast krankhaft flüssig ist. Die normalen Kreditansprüche der Kundschaft sind restlos befriedigt worden. Erwähnt sei noch, daß die Dividende von 6 v. H. aus 2,16 Mill. DM Reingewinn, auf 36 Mill. DM AK nach Erhöhung der Rücklagen um 8 auf 16 und der Rückstellungen von 26 auf 33 Mill. DM ausgeschüttet wird. Die eigenen Mittel belaufen sich nunmehr auf 52 Mill. DM, werden aber von der Bankleitung als noch keineswegs ausreichend angesehen. Das Institut werde weiter versuchen, Seine Reserven und eigenen Mittel zu erhöhen, wobei es sich auch Gedanken über die Erhöhung des Aktienkapitals mache. In diesem Zusammenhang wurde als erwünschte AK-Höhe eine Größenordnung von etwa 72 Mill. DM genannt. Die Westgruppe der Dresdner Bank verfügt jetzt über 46 Filialen und 12 Depositenkassen gegen 32 Filialen im gleichen Arbeitsgebiet des Jahres 1938. R l t

Die Rhein - Main - Bank, Frankfurt/Main, die als Gewinn lediglich den für die Zahlung einer 6-V-H.-Dividende notwendigen Betrag ausweist und alle anderen erzielten Oberschüsse zur Bildung innerer Reserven verwandte, hat ihre Bilanzsumme in 1952 um 28,9 v. H. auf 1,161 Mrd. DM steigern können. Durch Teilauflösung der Sammelwertberichtigung hat sich der Bilanzanteil der ausgewiesenen Eigenmittel um 8 Mill. DM auf insgesamt 36 Mill. DM erhöht. Debitoren werden mit 410,3 Mill. um rund 50 Mill. DM höher als zu Beginn des Jahres ausgewiesen. Unter Einbeziehung der Diskont- und Avalkredite hatten am Jahresende etwa 20 500 Kunden Kredite in Anspruch genommen, über die Hälfte davon waren kurzfristige Vorlagen bis 1000 DM. Wenn auch die großen Kredite im Betrag überwiegen, so zeigen diese Zahlen doch, in welchem Maße die Bank von der mittleren und kleinen Kundschaft in Anspruch genommen worden ist. Der Schwerpunkt aller Aus-Anspruch lag bei den industriellen Betrieben; der Handel war nur zu 23,3 v. H. an den Krediten beteiligt. Wenn die Rhein-Main-Bank von den drei Nachfolgeinstituten der Dresdner Bank mit 5 Mill. DM den weitaus niedrigsten Steueraufwand ausweist, dann zeigt das, wie groß die Möglichkeiten waren, von einer steuerbegünstigten Gewinnverwendung Gebrauch zu machen. Wie die beiden Schwesterinstitute, ist auch die Rhein-Main-Bank wesentlich beteiligt an der Bank für Handel und Industrie AG, Berlin, der Deutsch-Südamerikanischen Bank AG, Hamburg, und der Merkur Grundstücksgesellschaft mbH, Frankfurt/Main, die mit einem Aufwand von mehreren Mill. DM Wohnungen für Angestellte der Bank errichtet. K. W.