Die laufenden Maßnahmen zur Förderung des gefährdeten Zonengrenzgebietes mit seiner peripheren Lage zum Wirtschaftszentrum an Rhein und Ruhr waren 1952 leider unzureichend. Der Übergang aus der Expansionsperiode in eine Phase der Konsolidierung macht es daher nötig, die bisher angewandten Methoden zur Förderung der schleswig-holsteinischen Wirtschaft kritisch zu überprüfen.

Die Kreditlenkungsmaßnahmen der Landesregierung haben sich zwar als recht wirkungsvoll erwiesen, jedoch wird es erforderlich sein, der Beschaffung von Betriebsmittelkrediten eine verstärkte Aufmerksamkeit zuzuwenden, da die neuangesetzten Vertriebenenbetriebe noch nicht über eine ausreichende finanzielle Basis verfügen. Der Lenkung öffentlicher Aufträge waren mit Rücksicht auf Berlin enge Grenzen gezogen. Auch die Bemühungen, die Standortbedingungen der Industrie im Lande durch Tarifmanipulationen günstiger zu beeinflussen, hatten wegen der Zurückhaltung der Deutschen Bundesbahn wenig Erfolg, die ihre eigene schwierige finanzielle Lage durch einen Auftragsstop zu erleichtern suchte. Auch der von der Montan-Union verfügte Fortfall der bisherigen Privilegien für Bunkerkohle, der sich äußerst schädigend für die Häfen des Landes auswirkt und zum Kauf ausländischer Kohle zu harten Devisen zwingt, bildete eine Ursache für die unbefriedigende Lage.

Wenn das Schwergewicht bei der Gestaltung der Wirtschaftspolitik im Lande sich in Zukunft auch auf die Konsolidierung bestehender Unternehmen legen wird, so darf aber eine planvolle Arrondierung der industriellen Struktur des Landes nicht vernachlässigt werden, so z. B. durch Förderung des Ausbildungswesens und der Heranbildung eines neuen Arbeitspotentials um ein echtes Industrieklima" zu schaffen. Hieraus ergibt sich dann zwangsläufig der Weg zur Bildung und Förderung industrieller Schwerpunkte, der das dichtbevölkerte Land Schleswig-Holstein dringend bedarf.

Es ist das Ziel der Landesregierung, die Zahl der Arbeitslosen herunterzudrücken. An der Spitze der gesamten lohnintensiven Industrie steht nach wie vor der Schiffbau (30,2 v. H. der gesamtdeutschen Neubauten in 1952). Dabei ist es interessant, daß die Werftindustrie als der wichtigste Ausfuhrträger in Schleswig-Holstein allein für 120 Mill. DM Neubauten, Umbauten und Reparaturen für ausländische Reeder lieferte. Zu hohe inländische Eisenblech- und Schiffsmotorenpreise lassen allerdings für 1954 einen Rückgang an Aufträgen erwarten, eine Tatsache, die der Landesregierung wegen der auf vielen anderen Gebieten ebenfalls zunehmenden ausländischen Konkurrenz ernste Sorgen bereitet. An zweiter Stelle liegt der Maschinenbau mit Ausfuhren im Werte von 45 Millionen DM, vor allem mit Lieferungen von Baggern, Kränen, Dieselmotoren und Diesellokomotiven sowie Textilmaschinen. Es folgen Zementlieferungen mit 23 Mill. DM und Roheisen mit 17 Millionen DM. Das Lübecker Hochofenwerk spielt mit der umfassenden Verhüttung sowie mit der Herstellung eines Sonderzements – dem Tonerde-Schmelzzement – eine bedeutende Exportrolle für das gesamte Bundesgebiet. Allein die Roheisenerzeugung im Werte vor; 61,5 Mill. DM belief sich 1952 auf 222 000 t (um 6,7 v. H. höher als 1951). Die elektrotechnische, feinmechanische, optische, Eisen-, Blech- und Metallwarenindustrie sowie die Industrien der Ernährungswirtschaft konnten 1952 ebenfalls eine erfreuliche Bilanz ziehen, jedoch wird es einer Rationalisierung der Erzeugung bedürfen, um 1953 auf den ausländischen Märkten gleichgut zu bestehen. mi