Seit der Spaltung Deutschlands wurde die Frage einer schnellen Fährverbindung zwischen Skandinavien und Westdeutschland geradezu lebenswichtig, vornehmlich, weil ja die früheren Fähren zwischen Gjedser und Warnemünde und von Trelleborg nach Saßnitz ausfielen. Die Reisenden aus dem Norden mußten nun den umständlichen Umweg über die dänischen Inseln nach Flensburg machen. Man richtete deshalb bald eine Fährverbindung ein, die von Gjedser nach Großenbrode, gegenüber der Insel Fehmarn, führte und so, was die Streckenführung anbelangt, der idealen Vogelfluglinie (also der kürzesten Verbindung) möglichst nahekommt. Der Betrieb mußte aber zunächst allein von Dänemark durchgeführt werden, da der deutschen Eisenbahn keine geeigneten Schiffe zur Verfügung standen. Sehr bald erwies es sich aber, daß der ständig steigende europäische Nord-Süd-Verkehr mit dieser einen und eigentlich auch nicht mehr recht modernen dänischen Fähre zur vollen Zufriedenheit nicht durchgeführt werden konnte. Westdeutschland entschloß sich daher zu dem Bau eines neuzeitlichen und allen Anforderungen eines Eisenbahnfährbetriebes genügenden Schiffes.

Dieses neue Fährschiff "Deutschland" wurde nun am vergangenen Wochenende in Anwesenheit des Bundespräsidenten in Dienst gestellt und wird am kommenden Sonntag mit dem Inkrafttreten des Sommerfahrplanes seinen regelmäßigen Dienst aufnehmen und so die Deutsche Bundesbahn in die Lage versetzen, den Erfordernissen des internationalen Verkehrs, der infolge der politischen Veränderungen eine neue Richtung genommen hat, mehr als bisher gerecht zu werden. Vor allem wird auch eine wesentliche Entlastung auf der Strecke Korsör -Nyborg-Flensburg-Hamburg herbeigeführt werden.

Westdeutschland kann auf die "Deutschland" mit Recht stolz sein. Das 4100 BRT große und auf den Kieler Howaldtswerken erbaute Schiff, das besonders auch durch seine schnittige Linie auffällt, kann zehn D-Zugwagen oder 24 Güterwagen sowie zusätzlich einige Personenkraftwagen aufnehmen. Es ist gleichzeitig in der Lage, je Überfahrt 1000 Passagiere mitzunehmen, für deren Bequemlichkeit gut gesorgt ist.

Täglich werden drei Doppelfahrten zwischen Gjedser und Großenbrode von Dänen und Deutschen durchgeführt werden, erstmals werden auch ganze Reisezüge direkt übersetzen. Der neue Fahrplan ist ganz auf die Fährverbindung abgestellt worden; auf beiden Seiten sind für alle Fährfahrten gute Anschlüsse mit schnellen Zügen vorgesehen. Der Skandinavien-Italien-Expreß, der von Stockholm über Kopenhagen nach Rom läuft und bislang über Nyborg–Korsör führt, wird von dieser Strecke abgezogen und über Großenbrode geleitet werden. Bis zu drei Stunden Zeitgewinn werden damit erreicht. K.