Allen Prophezeiungen der Experten zum Trotz ist die erwartete Fleischknappheit im Herbst 1952 nicht eingetreten. Im Gegenteil: gerade die Dürre des vergangenen Sommers hatte zu Schlachtungen geführt, die den Bedarf um ein Erkleckliches überstiegen. Die Folge war, daß die Vieh- und Fleischpreise rapide sanken, und sich erst jetzt allmählich wieder erholen. Die Landwirtschaft hat damit Verluste durch zu niedrige Preise auf den Schweinemärkten einstecken müssen, die die Rentabilität der Aufzucht und Mast in Frage stellten.

Ein gut Teil dieser Entwicklung wird allerdings zu Lasten der Landwirtschaft selber gehen müssen. Wenn jetzt von den Bauernorganisationen propagiert wird, man möge, angesichts der Preis-Erfahrungen, die Ferkelaufzucht einschränken, und wenn im Bundestag ein Antrag vorliegt, die Vieh- und Fleischzölle wieder zu erhöhen, dann wäre dazu doch einiges zu sagen.

Nach den Ergebnissen der letztjährigen März-Viehzählung hätten nämlich in den ersten Monaten dieses Jahres die Schweineauftriebe geringer sein müssen, als sie es waren. Tatsächlich sind rund 200 000 Schweine mehr geschlachtet worden, als (der Statistik nach) an Schlachtschweinen hätten vorhanden sein sollen! Es sei dahingestellt, ob hier ein Wunder der Natur geschah. Wahrscheinlich ist, daß – bei der bäuerlichen Skepsis allem Amtlichen gegenüber – die Bestandsangaben nicht ganz stimmten. Und anstatt wenigstens in Baisse-Zeiten die Auftriebe zu drosseln, um sie so der Nachfrage anzupassen, ist im Grunde das Gegenteil geschehen. Die sinkenden Preise hatten – aus der Angst um den erzielbaren Preis heraus – Anlaß gegeben, nun erst recht den Auftrieb zu vergrößern und "grüne", nicht ausgemästete Schweine auf den Markt zu werfen. Niemand darf sich aber wundern, wenn der Markt, die empfindliche Waage von Angebot und Nachfrage, "sauer" reagiert und wenn falsche Statistiken und verfehlte Verkaufstaktik auch die schönsten Preisvoraussagen über den Haufen werfen. Es heißt aber, den Teufel mit Beelzebub austreiben, wenn nun vorgeschlagen wird, die Ferkelaufzucht einzuschränken. Denn für die Zeit von März 1953 bis Februar 1954 dürften aller Voraussicht 600 000 bis 700 000 Schweine weniger geschlachtet werden, als im vorangegange nen Jahreszeitraum. Der Schweinebestand ist ja erheblich gesunken. Um dem drohenden Mangel abzuhelfen, würde der Bundesregierung nichts andere übrig bleiben, als beizeiten Einfuhrverträge abzuschließen. Die Landwirtschaft wird sich dann kaum beschweren können, wenn die nächste Viehzählung im Juni dies ratsam erscheinen läßt. Man sollte also eine solche Möglichkeit bei den Bauernorganisationen rechtzeitig berücksichtigen. G. Gbg.