Monatelang saß Albrecht Haushofer, ein junger Professor der Berliner Universität, zusammen mit den nach dem 20. Juli 1944 Verurteilten im Gefängnis in der Lehrter Straße. Zwischen Verhören, Bombenangriffen und Folterungen sind dort in der Zelle eine Reihe Gedichte entstanden, in denen der ganze Schmerz über das Schicksal des Vaterlandes, das unter die Räuber gefallen ist, zum Ausdruck kommt. Es ist nicht poetische Kraft, sondern menschliche Haltung, die diese Verse für die Nachwelt erhalten werden. Für Albrecht Haushofer gilt, was er selbst dort im Kerker von Boethius dichtete: "Sein Tod hat keinen Untergang gewendet / erloschen war die Kraft der alten Welt. / Sein Tod hat nur den Untergang erhellt. / ...und vielen hat er Trost gespendet..." Echter Schmerz zeichnet auch dieses Sonett aus:

Während in den Straßen Berlins schon gekämpft wurde, hat die SS noch eine Anzahl Gefangener aus der Lehrter Straße ermordet – man fand sie alle, durch Genickschuß getötet, in der Nähe des Gefängnisses. Haushofer trug ein Heft bei sich, auf dem stand: Moabiter Sonette, Es sind jene Gedichte, die jetzt der Lothar-Blanvalet-Verlag in einer neuen, würdigen Ausgabe zu früher Vergessenheit entreißt. Dieser Ausgabe ist auch das hier abgedruckte Sonett entnommen.

Marion Gräfin Dönhoff