Der Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels darf das Lob ausgesprochen werden, einen guten und sehr gründlich mit Zahlen und Vergleichen ausgestatteten Arbeitsbericht für 1952 fertiggestellt zu haben, durch den die landläufige Meinung von den im Handel auch heute noch gegebenen leichten Verdienstmöglichkeiten eine neuerliche und recht eindrucksvolle Korrektur erfährt. Zunächst: Der Anteil der Einzelhandelsumsätze am Volkseinkommen, der im Durchschnitt der Jahre 1925 bis 1936 knapp 46 v. H. betragen hatte und der im ersten vollen Jahr nach der Währungsreform auf 50,6 v.H. hochgeschnellt war, fiel bis 1952 auf 40,4 v. H. zurück. In der Verwendung des Volkseinkommens haben sich in den vergangenen Jahren also bedeutsame Umschichtungen vollzogen. Der Investitions- und ständig wachsende Staatsbedarf zogen ebenso vermehrte Mittel an sich, wie der Aufwand der Bevölkerung für Reisen und Erholung, für Kinobesuch (555 Mill. verkaufte Karten im Bundesgebiet 1951 gegen 396 Mill. im Reichsgebiet 1937), für Toto und Motorisierung und anderes mehr.

Es ist verständlich, daß auf Grund dieser Situation ein Teil der Ausführungen der Hauptgemeinschaft wieder der Handelsspanne gewidmet ist, die in der allgemeinen Vorstellung der Öffentlichkeit meist dem Unternehmergewinn gleichgesetzt wird. "Der ewige Vorwurf, die Handelsspannen seien zu hoch, ist durch die einwandfreien Untersuchungsergebnisse wissenschaftlicher und amtlicher Institute ebensowenig aus der Welt zu schaffen wie durch die Tatsache, daß der von Jahr zu Jahr verschärfte Wettbewerb das unerbittlichste Regulativ für die Preise bedeutet."

Der Verband erklärt weiter, daß im vergangenen Jahr bei Einzelhandel und Großhandel die Preiserhöhungen im Einkauf häufiger als Preissenkungen gewesen seien, und die Handelsspannen 1952 nochmals, wenn auch nur geringfügig, zurückgegangen wären. Die Gewinnmarge habe sich also erneut verringert. Es heißt weiter, daß der Index der Einzelhandelspreise 1952 um 4 v. H., der der industriellen Erzeugerpreise um 2 v. H. gefallen ist. In bestimmten Branchen, wie bei Textilien und Schuhen, sei das Absinken der Einzelhandelspreise noch stärker. Demgegenüber sind die Kosten im Einzelhandel in der Zeit von Anfang 1951 bis Ende 1952 um 10 v.H. (ausschließlich durch Erhöhung der Gehälter und Löhne, der Steuern, der öffentlichen Tarife und des Werbungsaufwandes) gestiegen. Alles in allem: Der Bereinigungsprozeß hat sich verschärft, und der Liquiditätsdruck ist härter geworden.

Leider vermißt man bei diesem Arbeitsbericht einen für die Diskussion um das Handelsspannenproblem nicht unwichtigen Faktor, nämlich die Publizierung des Frachtkostenanteils. "Der ewige Vorwurf, die Handelsspannen seien zu hoch", ist doch fast immer auf den Irrtum zurückzuführen, daß alles, was an Kosten vom Ab-Werk-Preis bis zum Ladentischpreis entsteht, "Handelsspanne" sei: Vielleicht wäre es sehr nützlich, wenn Einzelhandel und Großhandel zusammen eine Annäherungsrechnung darüber erarbeiten könnten, was die Frachtbelastung im Endpreis der Einzelhandelsartikel ausmacht. Die Handlungskosten werden nämlich erst von dem Augenblick an berechnet und publiziert, an dem die Ware im Lager des Kaufmanns liegt. Dieser Einstandspreis ist der Ausgangspunkt. Er ist aber Einkaufspreis plus Bruttofrachtkosten. Eine eingehendere Untersuchung dieses Postens Frachtkosten würde unseres Erachtens die Erkenntnis aufdrängen, daß hier noch ungeahnte Rationalisierungsmöglichkeiten und Einsparungen offenliegen. Rlt.