Nach der soeben veröffentlichten Schätzung der Firma F. O. Licht ist in diesem Jahre für Westdeutschland mit einem Zuckerrübenanbau von 215 000 ha zu rechnen gegen 218 995 ha im Vorjahr. Der Rückgang beträgt also rund 4000 ha und entfällt auf Süddeutschland und das Rheinland, während in Niedersachsen die gleiche und in Schleswig-Holstein eine höhere Zuckerrübenanbauflache erwartet wird. In Süddeutschland hat der Zuckerrübenanbau durch den schlechten Ausfall der vorjährigen Ernte infolge der Trockenheit des Sommers einen Rückschlag erfahren, und im Rheinland hat sich die Vergilbungskrankheit ungünstig auf die Zuckerrübenanbaufreudigkeit ausgewirkt. Da die Rübenernte 1952 vielfach sehr zu wünschen übrig ließ, ist anzunehmen, daß trotz des Anbaurückganges die Zuckererzeugung 1953/54 eher höher als niedriger liegen wird, zumal der Anbau unter recht günstigen Verhältnissen durchgeführt werden konnte.

Die Entwicklung der Zuckerablieferungen Westdeutschlands läßt noch immer zu wünschen übrig. Vom 1. Oktober bis 10. April wurden 565 015 t abgeliefert gegen 647 650 t im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die diesjährigen Ablieferungen erreichen damit nur 87,24 v. H. der vorjährigen. Die ungünstige Entwicklung des westdeutschen Zuckerverbrauchs wird auf die Ernährungsreformbewegungen, die mit dem Namen Hauser verknüpft sind, auf die niedrigen Margarinepreise, auf die Überschwemmung Westdeutschlands mit billigen Südfrüchten, den guten Ernährungsstand und andere Gründe zurückgeführt.

Aber auch die Deckung eines erheblich steigenden Bedarfs würde die westdeutsche Zuckerwirtschaft nicht in Verlegenheit bringen. Die Zuckervorräte betrugen am 28. Februar 668 131 t. In den Monaten März/September 1952 wurden 686 5321 abgeliefert, so daß also schon die heute vorhandenen Vorräte nahezu ausreichen würden, den Bedarf bis zum Beginn der neuen Zuckerrübenkampagne zu decken. In der Zwischenzeit sind aber bereits wieder eine Reihe Einfuhrkontrakte abgeschlossen worden, und die Beschaffung weiterer Zuckermengen vom Ausland bereitet bei dem reichlichen Angebot am Weltzuckermarkt keine Schwierigkeiten. Die westdeutsche Zuckerlage ist also auf jeden Fall gesichert, und die Hausfrau kann sich darauf verlassen, daß ihr jede gewünschte Menge Zucker in jeder Qualität zur Verfügung stehen wird. Dieser vollkommenen Unbeschränktheit des Zuckerverbrauchs erfreuen sich heute, acht Jahre nach dem Kriege, noch keineswegs alle Nationen. Hinter dem Eisernen Vorhang gehört die Zuckerkarte noch vielfach eisern zu den Errungenschaften planwirtschaftlicher Zuckerpolitik, und selbst in Großbritannien ist der Zuckerverbrauch noch heute beschränkt.

Auf dem Weltzuckermarkt hat es in den letzten Monaten viel Bewegung gegeben. Infolge der erheblich über den Verbrauch hinausgehenden Erzeugung der letzten beiden Kampagnen sind die Weltzuckervorräte ständig gestiegen und haben einen starken Druck auf die Weltmarktpreise ausgeübt. Von diesem erheblichen Rückgang der Preise wurden natürlich in erster Linie die Länder betroffen, die einen starken Anteil ihres Zuckers auf den freien Weltmarkt ausführen müssen, also in allererster Linie Kuba, auf das nahezu 50 v. H. aller Ausfuhren auf den freien Weltzuckermarkt entfallen. Um dem Rückgang der Preise entgegenzuarbeiten, legte Kuba 1750 000 t sozusagen auf Eis und versprach, diese Menge in gleichmäßigen Anteilen in einem Zeitraum von fünf Jahren zu verkaufen; weiterhin wurde eine alleinige Verkaufsstelle eingerichtet und schließlich auch noch die Ernte beschränkt. Aber alle diese Maßnahmen halfen nichts, weil andere Belieferer des freien Weltmarktes ihre Ausfuhr um mehr als die gleiche Menge erhöhten, wie sie von Kuba eingeschränkt wurde.

Auf der letzten Sitzung des Internationalen Zuckerrates wurde der Beschluß gefaßt, die UNO zu bitten, eine internationale Zuckerkonferenz zum Abschluß eines neuen internationalen Zuckerabkommens einzuberufen. Die UNO hat dieser Bitte stattgegeben. Am 13. Juli wird die Konferenz unter der Schirmherrschaft der UNO in London stattfinden. Hugo Ahlfeld