"Was soll ich bloß wählen – ich kenne doch die Leute nicht!"

So der Stoßseufzer einer Buchhalterin, einer hochqualifizierten "Bürokraft" mit überdurchschnittlicher Allgemeinbildung und lebhaftem Interesse für alle Dinge des öffentlichen Lebens... Und wie berechtigt ist ihr Resignieren in diesem Falle, angesichts der "zur Wahl gestellten" Listen mit lauter völlig unbekannten Namen von Kandidaten für die sogen. Selbstverwaltung in der Sozialversicherung! Mit echter Selbstverwaltung, die nur im Nachbarschaftsverband möglich, also nur da zu schaffen ist, wo "einer den andern kennt", hat diese Angelegenheit wirklich nichts gemein. Man hätte sich also die Farce der öffentlichen Wahl sparen können, um überall und ex officio paritätisch besetzte Beiräte zu schaffen: entsprechend dem (außerhalb der Angestelltenversicherung) nahezu auf der ganzen Linie geübten Verfahren, "Einheitslisten" aufzustellen. Wo mußte gewählt werden?

Bei den Berufsgenossenschaften: Einheitslisten; Wahl erübrigt sich.

Bei 18 Landesversicherungsanstalten (LVA): Einheitslisten; nur bei der LVA Nordrhein-Westfalen "Wahlhandlung".

Bei Knappschaftskasse und See-Krankenkasse: Einheitsliste.

Bei 386 Ortskrankenkassen: Einheitsliste – nur bei zehn Kassen Wahlhandlung

Bei 1376 Betriebskrankenkassen: Einheitsliste – bei drei Kassen nicht (deshalb also Wahl erforderlich).