Wie bei den anderen Instituten der ehemaligen Großbanken, so stand auch bei den Nachfolgegesellschaften der Commerzbank das Geschäftsjahr 1952, dessen Berichte nunmehr vorliegen, im Zeichen der Konsolidierung und der Normalisierung. Dabei ergab sich bei allen drei Gesellschaften, der Bankverein Westdeutschland AG, Düsseldorf, der Commerz- und Disconto-Bank AG, Hamburg, und der Commerz- und Creditbank AG, Frankfurt/Main, ein recht lebhafter Geschäftsgang mit zufriedenstellenden Ergebnissen. Diese erfreuliche Tendenz hat in 1953 bislang angehalten.

Bei allen drei Gesellschaften hat man ein wesentliches Augenmerk auf die Wiederanreicherung stiller Reserven gerichtet. Die Stärkung des verantwortlichen Eigenkapitals sowie der nicht ausgewiesenen Reserven wird angesichts des immer nochunbefriedigenden Verhältnisseszwischen Eigenkapital und Fremdmitteln schon deswegen als vordringlich betrachtet, weil eine Erhöhung des Stammkapitals durch Ausgabe neuer Aktien über den Wertpapiermarkt als unmöglich anzusehen ist. "Solange das gegenwärtige Besteuerungssystem fortbesteht, ist die Aktie das teuerste Finanzierungsinstrument", so heißt es in allen drei Geschäftsberichten gleichlautend. Immerhin hat sich die Dringlichkeit neuer Aktienemissionen verringert, seitdem ein Teil der Sammelwertberichtigungen aufgelöst und den Rücklagen zugeführt werden konnte. Zum Teil wurde die Erhöhung der Rücklagen durch Entnahmen aus den Erträgnissen des laufenden Geschäftsjahres ergänzt.

Ein Vergleich der drei Bilanzen gibt Aufschluß darüber, wie stark sich der Konjunkturanstieg im norddeutschen Raum gegenüber Westdeutschland verlangsamt hat. In den süddeutschen Ländern, in denen die alte Commerzbank gegenüber den anderen Großbanken am schwächsten vertreten war, sind Bemühungen im Gange, die Zahl der Geschäftsstellen zu vergrößern. So wurde zum Beispiel in diesem Jahr das Bankgeschäft K. Feuchter & Co. KG, Karlsruhe, übernommen und als eigene Filiale weitergeführt. – t

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Von den drei Nachfolgeinstituten der Commerz-Bank ist die West-Gruppe, die Bankverein Westdeutschland AG, Düsseldorf, mit 1,14 Mrd. Bilanzsumme mit Abstand die größte. Das geschäftsmäßige Schwergewicht und die Ertragskraft der Gesamtgruppe liegen weithin im Industriegebiet. Dem vergrößerten Geschäftsumfang entspricht die Steigerung der Einlagen von 726 auf 914 Mill. DM, also um 26 v. H. Das Verhältnis zwischen Sichteinlagen und Termingeldern hat sich auf 52:48 verändert, das Verhältnis der Eigenmittel des Bankvereins zu den Fremdmitteln beträgt 1:25, wobei die Eigenmittel eine Erhöhung um 9,2 auf 39,5 Mill. DM erfahren haben. Dennoch reicht dieser erhöhte Betrag noch nicht entfernt aus, eine für das Kreditgeschäft dieses Institutes wünschenswerte Höhe zu haben. Das Institut wird daher auch in den kommenden Jahren die Eigenkapitalbildung stark pflegen. Die Bankleitung erklärte in einer Pressekonferenz, daß das Institut 1952 recht gut verdient habe und in der Bilanz auf wesentlichen Aktiv konten, wie bei Wertpapieren, Beteiligungen und Debitoren, zur inneren Stärkung ansehnliche Wertberichtigungen und Abschreibungen vornehmen konnte. Als Erträge werden auch bei dieser Bank, wie bei den übrigen Großbanken, nur die Summen ausgewiesen, die nach Durchführung der inneren Reservebildung zum Ausgleich der Gewinn- und Verlustrechnung und zur Reingewinnfestsetzung verbleiben mußten. Zinsen und Provisionen werden somit mit 41,287 Mill. DM bei 72,6 Mrd. DM Gesamtumsatz der 56 Geschäftsstellen ausgewiesen. Aus dem Reingewinn von 1,656 Mill. DM wird die Dividendenzahlung mit 6 v. H. auf das AK von 27,5 Mill. DM aufgenommen. Hierzu war zu hören, daß das Institut sich ernsthaft überlegt hatte, eine 8prozentige Dividende zu zahlen, davon aber aus allgemeinwirtschaftlichen Gründen Abstand genommen hätte. Die Bonität der Debitoren sei seit Herbst 1952 auffällig besser geworden, und der Kontokorrentumsatz habe weiter steigende Tendenz, erklärte die Verwaltung noch ergänzend. rlt

Die Commerz- und Disconto-Bank AG‚

Hamburg, berichtet, daß die Zusammenfassung der vier Ländergruppen mit ihren verschiedenen Wirtschaftsstrukturen für das Bankgeschäft zu einem besseren Risiko-Ausgleich geführt hat. Das Institut hat sich sowohl an der Finanzierung des Außenhandels als auch an der Kreditgewährung für die übrigen Gewerbezweige beteiligt. Innerhalb der Nachfolgegesellschaften der Commerzbank fiel dem Hamburger Institut die Führungsrolle bei der Schiffahrtsfinanzierung zu, wo sie sich mit einem größeren Betrag bei der Hapag beteiligte. Ins Auge fällt die Breitenstreuung der Kredite, die auf einen gesunden mittleren Kundenstamm schließen läßt. Die Bilanzsumme hat sich von 407 auf 429 Mill. DM erhöht. Zur richtigen Beurteilung dieser Zahl muß bemerkt werden, daß die in der Eröffnungsbilanz ausgewiesenen eigenen Akzepte von 55 Mill. DM in der Bilanz per 31. 12. 52 verschwunden sind: eine Konsolidierung also, die zu Lasten der Bilanzsumme geht. Eine Reduzierung – ist auf der Aktiv-Seite bei den Wertpapieren durch Verkäufe oder durch die Kurskorrektur in Höhe von 2,9 auf 14,4 Mill. DM eingetreten. Die liquiden Mittel werden mit 136,8 Mill. DM ausgewiesen: das sind etwa 77,6 v. H. der Sichteinlagen oder 39,4 v. H. der Gesamteinlagen. Die Einlagen sind um 58 Mill. DM auf 347 Mill. DM gestiegen, wovon 33 Mill. DM auf die Spargelder entfallen. In der Zusammensetzung der Einlagen ist eine Verlagerung von den täglich fälligen zu den befristeten Einlagen eingetreten. Aus der Auflösung der freigewordenen Sammelwertberichtigungen wurden der freien Rücklage 4 Mill. DM, der gesetzlichen Rücklage 0,5 neben weiteren 0,25 Mill. aus Erträgnissen zugeführt. Damit betragen die Rücklagen 6 Mill. bei einem Grundkapital von 12,5 Mill. DM. Bei der Gewinn- und Verlustrechnung wurden die Posten auf der Ertragsseite gekürzt eingesetzt, so daß lediglich ein Überschuß ausgewiesen wird, der für die Verteilung der Dividende von 6 v. H. notwendig ist. ndt