Was den Komplex der "grauen" Kurse, der Koppelungsgeschäfte und aller sonstigen damit in Zusammenhang stehenden Erscheinungen anbelangt, so kommt man am ehesten dann zu einem Verständnis, wenn man von der folgenden höchst simpeln Überlegung ausgeht: ein (Brutto-) Zins von 5 v. H., von dem also (vielfach!) noch erhebliche steuerliche Abzüge gemacht werden, ist zu niedrig; er. entspricht nicht der Marktlage. Wer als Gläubiger die Möglichkeit sieht, bei nur 5 v. H. "anzukommen", ist also zu zusätzlichen Leistungen, über den Zins hinaus, bereit. Wer genötigt ist, sein Kapital in Anlagen dieser Art zu geben, wird (umgekehrt) geneigt sein, zusätzliche Forderungen zu stellen.

Die einfachste Form, in der solche zusätzlichen Forderungen geltend gemacht werden, ist, daß der Geldgeber sich nicht damit begnügt, für 100 bare DM einen 5prozentigen Pfandbrief zu kaufen, sondern daß er erklärt: "Wenn ich mein Geld schon zu einem nicht-marktgerechten Zins hergeben muß, dann nur unter der Bedingung, daß es als Baudarlehen an die Stadt X (oder an die "Gemeinnützige" Z) gegeben wird." – Das wäre also das Koppelungsgeschäft in seiner einfachsten Form, oder besser gesagt, das "unechte" Koppelungsgeschäft, wie es absolut üblich geworden ist, seitdem öffentliche Stellen irgendwelche "zweckgebundenen" Gelder – um das Verfahren zu vereinfachen und sich Verwaltungskosten zu ersparen – über die Pfandbrief-Institute geben, anstatt (was sie auch tun könnten) unmittelbar mit dem letzten Schuldner zu verhandeln. Verlangt der Geldgeber nun außerdem noch, daß die Hypothekenbank auf 100 000 DM, die sie von ihm zur Weiterleitung an X oder Z erhält, "aus eigenem" noch 30 000 DM dazulegt, daß sie also das Hypothekendarlehn des betreffenden Schuldners um 30 000 DM (aus dem Erlös anderweit abgesetzter Pfandbriefe) aufstockt, so darf man wohl von einem "echten Koppelungsgeschäft" sprechen, oder ganz einfach von einem "Aufstocken".

Nun hat man den gleichen Begriff ("Koppelungsgeschäft") auch auf solche Transaktionen angewandt, wo das Kreditinstitut das verbriefte Darlehn nicht in bar auszahlt, sondern ihm Pfandbriefe, über den Nominalbetrag lautend, in die Hand gibt, und es ihm überläßt, sich durch deren – freihändigen – Verkauf das Geld selber zu beschaffen. Diesen Tatbestand bezeichnet man wohl besser als "Hergabe von Pfandbriefen in natura". Solche Geschäfte hat der Kapitalverkehrsausschuß kürzlich "verboten"; genauer gesagt: er hat eine zeitweilige Emissionssperre verhängt, mit der Maßgabe, daß er neue Emissionen nur dann und insoweit genehmigen werde, als keine solchen Kreditgeschäfte mehr durch Hingabe von Pfandbriefen in natura gemacht werden. Die weitere Bedingung lautet dahin, daß beim Verkauf neuer Pfandbriefe keine Sperrfristen mehr ausbedungen werden sollen, daß also der Erwerber nicht mehr verpflichtet werden soll, die Papiere mehrere Jahre (meist: drei Jahre) als "feste Anlage" im Portefeuille zu behalten, ehe er sie, über die Börse oder "freihändig", verwertet. Schließlich will der Ausschuß die Koppelungsgeschäfte nur noch den Kapitalsammelstellen gestatten, d. h. sie im übrigen als unzulässig ansehen

Gegen diesen letzten Punkt ist wenig zu saget – es sei denn, man mache den Einwand, daß "graue" Geschäfte eben nicht durch irgendwelche Verbote aus der Welt zu schaffen sind, sondern nur so, daß man marktgerechte Bedingungen schafft: also eilte Kurse und echten Zins zuläßt. Das Verbot der "gesperrten" Emissionen ist ein Schritt auf diesem guten und löblichen Wege: ein Anlagepapier, das nicht jederzeit zu Geld gemacht werden kann, ist eben disqualifiziert; dieser Übelstand muß also beseitigt werden. Zweifelhaft bleibt, ob das Verbot der Pfandbriefhergabe in natura wirklich nützt. Gewiß ist es sehr zu begrüßen, daß der Kapitalverkehrsausschuß einmal offiziell von diesen Usancen Kenntnis nimmt, daß nun endlich auch von der kursmäßigen Unterbewertung des 5prozentigen Pfandbriefs offen gesprochen und daß versteht wird, "normale" Kurse herzustellen. Aber falls man zu der altbewährten Methode zurückfinden will, daß ein Pfandbriefdarlehen durch Hingibe von Pfandbriefen ("in natura") getilgt werden kann, läßt sich schwerlich etwas dagegen einwenden, daß ganz entsprechend auch bei der Hergabe eines solchen Darlehens verfahren wird.

Wenn ein Pfandbriefinstitut dem Markt zuviel zumutet, also mehr emittiert, (und an den Schuldner zum freihändigen Verkauf gibt!) als anlagebereite Gelder vorhanden sind, wird der absinkende Kurs seiner Pfandbriefe es sehr schnell von solchen Praktiken abbringen. Also: man lasse die Notierung der echten Kurse zu – und man wird dann keine Sonderverbote mehr zu erlassen brauchen, die insofern doch illusorisch sind, als ihre Einhaltung sich nicht exakt kontrollieren, ihre Übertretung sich nicht verhindern läßt ... So wäre ja auch, zu der Anordnung über die Koppelungsgeschäfte (angesichts der Tatsache, daß – bis vor kurzem – fast alle neu emittierten Pfandbriefe an öffentliche Stellen gingen) die Frage aufzuwerfen: was das generelle Verbot nützen soll, wenn eine "Ausnahme" zugelassen wird, die nahezu über die ganze Breite der bisherigen Koppelungsgeschäfte geht, sie also weiter zulässig sein läßt. Vielleicht äußert sich der Kapitalverkehrsausschuß einmal hierzu.

Bisher ist (im wesentlichen) nur von dem Kaptalgeber die Rede gewesen, und davon, daß er die Hergabe seiner "knappen" und im Preis (dem Kapitalzins also) "gebundenen" Ware von zusätzlich gestellten Bedingungen abhängig machen kann – was er denn auch tut. Er kann natürlich auch so verfahren, daß er höherePreise fordert: "schwarze" Preise also, Und er erhält diese Preise, weil der Gläubiger, um langfristigen Kredit zu bekommen, bereit ist, ein Aufgeld zu zahlen. Das besteht, da der Nominalzins auf 5 v. H. begrenzt ist, in der Zahlung von "Kreditvermittlungskosten"; es wird ein "Bonus" gegeben, um dessen Betrag sich dem also der Pfandbrief für den endgültigen Käufer verbilligt: um rund 10 v. H. heute, um 5 v. H., wenn und insoweit demnächst nach der soeben vom Kapitalverkehrsausschuß erteilten Genehmigung des Emissionskurs von 98 auf 93 v. H. herabgesetzt wird. Der Schuldner hat, bei diesem Verfahren, für eine Schuld, die bei ihm mit 100 zu Buche steit und zu 5 v. H. nominell zu verzinsen ist, effektiv nur 88 erhalten, so daß der wirkliche Zins etwa 5,7 v. H. ausmacht. – Da ist nun, für den Laien zunächst schwer begreiflich, daß ein niedrigerer Kurs dem Kapitalgeber einen Vorteil einräumt, den Kreditnehmer belastet ... Man braucht sich aber nur die Usance "Kreditgeschäft durch Hergabe von Pfandbriefen in natura" in die Erinnerung zurückzurufen, um das scheinbare Paradoxon auflösen zu können und den Tatbestand recht vor Augen zu haben. Im übrigen mag sich der Laie trösten: auch Fachleute erliegen mitunter ähnlichen Irrtümern, wie er ... dafür ein Beispiel: In einer VWD-Meldung aus Bonn, vom 5. Mai, heißt es, daß

"die Sozialversicherungsträger, die zu den Hauptabnehmern der Pfandbriefe zählen, insofern an einem hohen (Emissions-)Kurs interessiert seien, als sie dem sozialen Wohnungsbau möglichst hohe Beträge zur Verfügung stellen möchten".