Von Paul Hühnerfeld

Am Freihafenkai von Cuxhaven standen in die-– sen Tagen schon ab vier Uhr nachmittags Kinder, Schulklassen, junge Mädchen ... Ab vier Uhr nachmittags suchten sie die See ab: wann tauchen die weißen Segel der "Xarifa" am Horizont auf? Da – jetzt sahen sie die Mastspitzen. Aber die Segel waren schon gerefft, und das Tuckern des Motors zeigte an, daß die Brise so nahe der Küste zu schwach war.

Dabei wären der berühmte Filmautor und Forscher Hans Hass und die Werftleute, die den Dreimastschoner "Xarifa" wieder seeklar gemacht hatten, gern einmal mit vollen Segeln an der "Alten Liebe" vorbeigerauscht; man hätte den Wartenden gern den 350 Tonnen großen Schoner in voller Fahrt gezeigt. In derangiertem Zustand hatte Hass dieses 1929 erbaute Schiff auf einer Auktion in Kopenhagen ersteigert: fast ohne einen Pfennig übrigens, denn er wurde für kreditwürdig befunden.

Probefahrt auf der graugrünen Nordsee in diesen Tagen: unter warmer Maisonne, mit manchmal fast südlich blauem Himmel, über den von Zeit zu Zeit weiße Brisenwolken zogen. Dann bauschten sich die Segel, dann lief der Schoner auch bei schwachen Windstärken sieben bis acht Meilen – dann genoß man das in unserer technischen Zeit unglaubliche Wunder, geräuschlos zu fahren.

An Bord freilich ging es nicht so geräuschlos zu. An Bord verlangte eben diese dem Segeln und allem Stillen feindliche Zeit ihr Recht. Das Recht hieß in diesem Fall: der Star darf keinen Augenblick seinen Anbetern entzogen werden. Schlimm genug, daß er nicht jeden Augenblick persönlich zur Verfügung steht – photographiert werden muß er mindestens alle paar Sekunden.

Hans Hass und seine Wiener Frau Lotte wissen, daß sie Stars sind. Und so lassen sie sich in nimmermüder Geduld (die dem sonst temperamentvollen Hans Hass sicher schwerfällt) abkonterfeien: beide mit weißer Mütze, der Forscher am Steuerrad, mächtig in die Speichen greifend; beide an der Reeling, die Blicke in weite Ferne gerichtet, neuen Abenteuern entgegen. Und dann die Einzelporträts: Hans Hass in den Masten, fast am Krähennest, furchtlos in die Weite Tugend (obwohl er nicht schwindelfrei ist); Lotte als Smutje am Kochtopf; Hans am Kompaß; Lotte am Rettungsring; Hans am Bug; Lotte an Backbord; Hans an Steuerbord; Lotte an Steuerbord; Hans an Backbord; beide an Steuerbord; beide an ...

Das Wetter blieb heiter und die See sanft. Am Feuerschiff Elbe I war Flaute. Diese Flaute nutzten die Herren der Norderwerft (von der das Schiff umgebaut worden war) dazu, die "Xarifa" feierlich an Dr. Hass zu übergeben. Dr. Hass hielt eine kurze Ansprache. Er dankte für die geleistete Arbeit, die hier letzten Endes nicht nur ihm, sondern der Forschung zugute komme. Das Wort "Forschung" klang überraschend in dieser Atmosphäre, die so sehr an Film erinnerte. Spielt sich denn Forschung unter dem Klicken der Kameras ab? Ist der ausgezeichnete Kameramann, der tollkühne Haijäger Hans Hass ein Forscher?