H. Paris, im Mai

Das französische Außenhandelsdefizit bei der Europäischen Zahlungsunion erreichte für April die Rekordsumme von 51 Mill. und dies trotz der neuerlichen Einfuhrbeschränkungen. Es gibt keinen deutlicheren Beweis dafür, daß Restriktionen und Kontingentierungen keinen Krisenausweg darstellen. Immer mehr wird in Frankreich darauf verwiesen, daß die seit dem Februar 1952 geführte Handelspolitik keinen Erfolg hatte und andere Wege gesucht werden müssen. Unter allen Umständen müsse der Export ausgebaut werden. Aber man ist in den zuständigen Kreisen von einer Abwertung zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht sehr eingenommen und glaubt, daß eine Devalvation kaum einen bleibenden Erfolg bringen könnte.

Es fehlt freilich nicht an anderen Möglichkeiten, und unter diesen befindet sich, von den Exportindustriellen sehr befürwortet, das System der sogenannten E. F. A. C.-Konten (Exportations-fraisaccessoires). Ursprünglich waren die EFAC-Konten eingeführt worden, um den Industriellen zur Bezahlung ihrer Propagandaspesen Devisen im Ausland zur Verfügung zu stellen. Später wurde den Exporteuren erlaubt, einen Teil der aus dem Export erzielten Devisenmenge zur Regelung ihres Einkaufs an Maschinen und Rohstoffen für ihr Unternehmen zu benutzen. Schließlich gestattete man auch, einen Teil des Devisenerlöses selbst zum allgemeinen Import von Konsumgütern zu verwenden, wobei die Devisen zum freien Devisenkurs verrechnet werden konnten. Die EFAC-Konti werden nicht, wie man allgemein annimmt, bei einer ausländischen Bank etabliert, sondern bei französischen Bankinstituten, und zwar entweder in Devisen oder in sogenannten "freien Francskonten", die jederzeit in Devisen zum offiziellen Kurs konvertiert werden können. Im allgemeinen hat der Exporteur das Recht, 10 v. H. der von ihm eingenommenen Devisen auf ein derartiges freies Devisenkonto überschreiben zu lassen. Handelt es sich um Exportgeschäfte, die in Devisen bezahlt werden, welche auf dem freien Devisenmarkt gehandelt, werden können (USA- und Kanadadollar, belgische Francs, portugiesische Escudos oder Schweizer Franken), dann kann der Exporteur über 15 v. H. des Devisenertrags verfügen. Devisenregelungen dieser Art erfolgen außerhalb der amtlichen Devisenzentrale. Diese greift nur in dem Fall ein, wenn EFAC-Devisen an eine Drittperson abgegeben werden. Es können mit diesen Devisen alle Importgeschäfte ohne besondere Bewilligung des Devisenamtes getätigt werden. Sie ist nur dann notwendig, wenn es sich um die Einfuhr von Waren handelt, deren Import allgemein untersagt ist. Die freien Devisen können auch zu Investitionen im Ausland verwendet werden oder zum Ankauf von Aktien auf ausländischen Börsen. Der Inhaber von 15prozentigen EFAC-Konten hat überdies die Möglichkeit, 3 v. H. seines Guthabens zu allen beliebigen Zahlungen im Ausland zu verwenden; er hat in diesem Fall der Bank nicht die Notwendigkeit, sondern nur die Bestätigung der Zahlung nachzuweisen.

Die EFAC-Konten haben natürlich Anlaß zu den verschiedenartigsten Spekulationen gegeben. Es kam zu gesetzwidrigen Transfers und zu Kapitalverschiebungen. Trotzdem erscheint das System der freien Devisenkonten in zahlreichen Wirtschaftskreisen als eine der besten Methoden der Exportförderung. Es müßten nicht 10 oder 15, sondern 40 oder 50 v. H. des Devisenertrags dem Exporteur zur Verfügung gestellt und die freie Verwendungsmöglichkeit der EFAC-Devisen ausgedehnt werden. Naturgemäß würde der größte Teil dieser freigegebenen Devisen dem Parallelmarkt zugeführt werden. Aber der Industrielle, der mit hohen Produktionskosten arbeiten muß, dessen Produkte auf den ausländischen Märkten infolge des übersetzten Franc-Kurses nicht mehr konkurrenzfähig erscheinen, könnte durch den verbesserten Ertrag seiner Exportgeschäfte dazu gebracht werden, zwischen Preishöhe und Devisenertrag einen Ausgleich zu schaffen und einen Teil seiner Einnahmen aus dem Verkauf der EFAC-Devisen zu verwenden, um seine Waren auf den ausländischen Märkten billiger anzubieten. Das System der freien Verfügung eines Teils der aus dem Export erzielten Devisenmenge ist in mehreren Ländern in Anwendung. Die französischen Handelskammern haben verlangt, daß dieses System in Frankreich ausgebaut werde; sie sehen darin eine Möglichkeit, die Handicaps der Exportwirtschaft zu überwinden.