Der Aktienmarkt ist gegenüber allen äußeren Einflüssen derart unempfindlich geworden, daß er auf die in greifbare Nähe gerückte Senkung der Körperschaftsteuer, auf das Passieren des EVG-Vertrages im Bundesrat oder schließlich auf die wieder einmal erhobene Forderung der SPD auf Verstaatlichung der Grundstoffindustrien weder positiv noch negativ reagierte Man kann daraus schließen, daß das Kursniveau auf einem so niedrigen Stand angelangt ist, der jeden Verkäufer lange überlegen läßt, ob er sich von seinen Papieren trennen soll. Da im übrigen der Geldmarkt überaus flüssig ist, sind ausgesprochene Notverkäufe kaum zu verzeichnen.

Bei kleinem Geschäft wurden Montane – sieht man von kleinen Tagesschwankungen ab – zu unveränderten Kursen umgesetzt, allerdings auf einer Basis, die dem inneren Wert der Aktien nicht entspricht. Zu einer Aufwärtsbewegung wird es vermutlich erst dann kommen, wenn das Publikum die DM-Kurse an den Notierungstafeln sieht und dann erkennt, welche Chancen es hier bislang ausgelassen hat. – Am Markt für IG -Farben-Werte war vom Auslandsinteresse nichts spürbar, die Kurse hielten sich auf Vorwochenstand (etwa 87 v. H.). – Großbanken wurden weiterhin etwa zu Parl-Kursen gehandelt, wobei nicht vergessen werden darf, daß darin überall die Dividenden von 6 v. H. enthalten sind, die in einigen Wochen zum Abzug kommen. – Bei Siemens ist der Kursverlust auf den Dividendenabzug zurückzuführen. Die Stammaktien werden jetzt wieder höher bewertet als die Vorzugsaktien, die in letzter Zeit durch den für die Vorzugsaktionäre günstig ausgegangenen Rechtsstreit in Führung lagen.

Das Geschäft in den Lokal- und Spezialpapieren wurde durch zahlreiche Dividendenankündigungen oder -erhöhungen in Bewegung gehalten. Eine Reihe von Gesellschaften haben sich entschlossen, ihre Dividenden zu erhöhen, obgleich sich die Steuerermäßigung bestenfalls erst für das laufende Geschäftsjahr auswirken wird. Auf die Ankündigung einer 7-v.-H.-Dividende waren Demag fester, auch Kabel Rheydt kamen durch die gleiche Renditenhöhe vermehrt zum Zuge. An der Hanseatischen Wertpapierbörse zogen Breitenburger Cement um 3 Punkte auf 86 v. H. an (Dividendenzahlung?) um die gleiche Spanne erhöhte sich auch der Karstadt-Kurs, der sich zum Wochenende auf 116 G stellte.

Am Rentenmarkt sind die Frankfurter, Rheinische und Deutsche Hypothekenbank, Bremen, zur Einführung von Pfandbriefen mit einem Emissionskurs von 93 (früher 98) v. H. übergegangen. Die hierzu erforderliche Genehmigung wurde grundsätzlich vom Bundes wirtschaftsminister in der Erwartung erteilt, dem grauen Pfandbriefmarkt dadurch einen Stoß zu versetzen. Tatsächlich sind die Umsätze in grauen Pfandbriefen bereits seit einiger Zeit zurückgegangen. Die Rendite der neuen Papiere errechnet sich auf 5,35 v. H., d. b. die Zinserhöhung beträgt immerhin schon so viel, daß sie einen Druck auf den Kurs der alten Anleihen auszuüben vermag. Zwar blieben diese in der vergangenen Börsenwoche noch mit 98 v. H. unverändert (lediglich ein Institut rutschte vorübergehend auf 97 v. H. herab), doch machte sich eine spürbare Nervosität bemerkbar. Das anfallende Material wurde nur schleppend und auch nicht immer vollzählig aus dem Markt genommen. Die RM-Renten reagierten auf die Senkung des Emissionskurses schwächer.

Die Bundesanleihe wurde weiterhin mit 98 1/2 v. H., also über Ausgabekurs, gehandelt. Sie und auch die Länderanleihen entwickeln sich immer mehr zu beliebten Geldmarktpapieren, die auch dann noch ihre Reize haben, wenn der steuerliche Vorteil, der dem Ersterwerber über einen Kapitalansammlungsvertrag gewährt wird, in Fortfall kommt. Allein die Steuerfreiheit der Zinsen bietet schon eine Gewinnspanne, wie sie heute bei den Banken selbst bei Ausleihungen zu 12 v. H. nicht zu erzielen sind. d t