Die österreichisch-bayerische Grenze lief auch nicht immer so, wie sie heute läuft. Fast wäre einmal ganz Bayern österreichisch geworden. Nur: Friedrich der Große hat das verhindert, und so müßte ihm die Bayernpartei eigentlich ein Denkmal errichten. Aber das Innviertel und das Hausruckviertel, mit dem Mondsee und dem Westufer des Attersees, hat Österreich doch bekommen, und auch im Salzburgischen wurden die Hoheitsrechte ein wenig durcheinandergebracht.

Das alles klingt nach historischen Anekdoten, und doch hat sich der Bayerische Oberste Rechnungshof eben erst damit befassen müssen. Und das kam so: Bei der Rechnungsprüfung für 1950 machte er eine betrübliche Feststellung, die in der Amtssprache folgendermaßen lautet: "Die Einnahmen und Ausgaben der drei bayerischen Saalforstämter auf österreichischem Hoheitsgebiet, Unken, Leo gang und St. Martin, sind weder in den Kassenrechnungen noch in der Staatshaushaltsrechnung enthalten, weil ein amtlicher Verkehr mit diesen Stellen nicht möglich war ..."

Es gibt nämlich, und das ist des Rätsels Lösung als Überbleibsel jener Grenzveränderungen, ei 130 Jahre altes österreichisch-bayerisches Abkommen, die sogenannte Salinenkonvention. Darin wurde festgelegt, daß die österreichische Salzgewinnung von Hallein aus auch auf bayerischem Gebiet weitergeführt werden darf und daß Bayern für den Stollenbau eine bestimmte Holzmenge zu liefern habe. Dafür überließ Österreich an Bayern Eigentum und Nutzung der drei Forstämter Unken, Leogang und St. Martin, Der Holzeinschlag wurde nach Bayern ausgeführt, und die Einnahmen und Ausgaben erschienen in der bayerischen Haushaltsrechnung.

Soweit die alte Geschichte. Aber dann brach die Gegenwart aus, im Stichjahr 1945. Seither sind die drei Fortstämter "feindliches Eigentum", während der für Österreich günstige Teil der Salinenkonvention weiter erfüllt werden muß. Zwar sind die Forstämter immer noch mit bayerischem Forstpersonal besetzt, aber sie müssen sich selber erhalten und haben mit Bayern keinerlei amtliche Verbindung mehr. Auch sie hoffen nun wie viele andere auf eine vernünftige Regelung durch einen Friedensvertrag. H. P. L.