Jugend auf der Insel Mainau

Durch ihre südliche üppige Vegetation ist die Insel Mainau im Bodensee zu einem der reizvollsten Ausflugsziele geworden. Nicht immer sah es hier so aus, als ob Italien vor der Tür läge. Erst die großen botanischen Kenntnisse des Großherzogs Friedrich von Baden, der die Insel im Jahre 1853, vor hundert Jahren also, erwarb, trugen dazu bei, daß hier – ähnlich wie in Muskau durch seinen Zeitgenossen Fürst Pückler – prächtige Parkanlagen entstanden. Die günstige, durch vorgelagerte Höhenzüge geschützte Lage der Insel, viel Geduld und geschickte Gartenmeister ließen aus bäuerlichem Land dieses südliche Kleinod entstehen. Nach dem Tode des letzten Großherzogs erbte seine Schwester, die damalige Königin von Schweden, Insel und Schloß. Seit 1932 ist Graf Lennart Bernadotte, der Enkel der Königin, Schlottherr auf der Mainau.

Heute ist die Insel nicht nur eine Sehenswürdigkeit für viele Besucher-, sondern Botaniker, Dendrologen und Gartenarchitekten halten hier gern ihre Fachtagungen ab. Das einstige Schloß des Deutschen Ritterordens aber baute Prinz Lennart zu einem Mittelpunkt internationaler Völkerverständigung aus. Zum fünftenmal öffnete das "Internationale Institut Insel Mainau" in diesem Jahr der Jugend aller Welt seine Pforten. Junge Studenten, Jugendführer, Sozialarbeiter, Pastoren, Sportler und Industriearbeiter aus allen Erdteilen drängen sich zu den interessanten und vielseitigen Veranstaltungen der Institutsleitung. Unter dem Motto "Mehr menschlich – weniger amtlich" fand Anfang Mai ein Lehrgang "Psychologie für Beamte" statt, an dem viele Beamte teilnahmen, die "in ihrem Amt mehr menschlich als amtlich sein wollen". Hier wurde ihnen nahegebracht, daß der Beamte nicht die Vorteile des Staates gegen die Bürger wahren, sondern daß er zuerst einmal seinen Mitmenschen das Gefühl geben muß, Beamte seien amtliche Helfer.

In diesem Jahr werden zum erstenmal für die Teilnehmer aus allen Bevölkerungskreisen Vorträge gehalten, die sich mit der zunehmenden Kriminalität, den zahllosen Ehescheidungen, mit der sexuellen Verantwortungslosigkeit, der Entwurzelung der Jugend und der Unsicherheit in den Erziehungsmethoden und -zielen befassen. Maßgebende Psychologen werden sich zu diesen Fragen äußern und Wege aufzuzeichnen versuchen, die aus diesen Problemen herausführen sollen.

Ermöglicht wurde die Arbeit des Institutes Mainau durch eine hochherzige Stiftung des schwedischen Königshauses, das zugleich Schloß und Park zur Verfügung stellte. Die Institutsleitung liegt in den Händen von Rektor Karl G. Isaakson aus Schweden, der zusammen mit englischen, französischen, Schweizer und deutschen Fachkräften den Unterricht abhält. Der idealen Landschaft des hundertjährigen Schloßparks wurde durch die Errichtung des Internationalen Instituts

ein geistiges Ideal hinzugefügt. W.H.