Zürich, Mitte Mai

Jüngstes Vorbild für die Annäherung der Länder, Völker und Städte durch die Eisenbahnen ist der "Helvetia-Expreß", der seit Sonntag zwischen Frankfurt und Zürich rollt ... Bisher stellte der Ft "Schauinsland" allein die Frühverbindung von Frankfurt nach Basel und die notwendige Spätverbindung von Basel nach dem Main her. Mit dem Inkrafttreten des neuen Fahrplans gibt ihm nun der "Helvetia-Expreß" gute Hilfestellung. Morgens verläßt er Zürich, trifft mittags – und zwar nach knapp 5 1/2stündiger Fahrt – in Frankfurt ein, wo dem Reisenden, wenn es sich um einen geschäftlichen Besuch handelt und er am gleichen Tage wieder zurück will, für diesen Zweck bis zur Rückfahrt über fünf Stunden zur Verfügung stehen. Kurz vor Mitternacht ist dieser moderne Diesel-Triebwagenzug der Deutschen Bundesbahn wieder in Zürich.

Selbst für die verwöhnten Schweizer stellt der "Helvetia-Expreß" eine Überraschung dar. Uneingeschränkt zollen sie ihm ihre Anerkennung, wenn sie neben der äußeren Stromlinienform auch die gediegene Inneneinrichtung der Abteile und des anheimelnden Speiseraums betrachten. Mit diesem Zug dehnt die Deutsche Schlafwagen- und Speisewagen-Gesellschaft zum erstenmal nach dem Krieg ihren Speisewagenbetrieb wieder über die deutschen Grenzen aus. Auch ein Konferenzraum und ein Schreibabteil stehen zur Verfügung.

Wenn der neue Zug – amtlich heißt er "Ft 77/78" – auch in der Hauptsache eine schnelle und zweckmäßige Tagesverbindung zwischen den beiden Wirtschaftszentren darstellen soll, so dürfte er doch durch seine günstigen Anschluß Verbindungen nach Bonn, dem Ruhrgebiet und nach Hamburg sehr bald eine überragende Verkehrsbedeutung für das gesamte Bundesgebiet erhalten. Nicht zuletzt für die Touristen, die man in diesem Jahr aus der Bundesrepublik und aus Westberlin in noch stärkerem Maße als im Vorjahr in der Schweiz erwartet. Man schätzt die deutschen Gäste wieder und gibt sich alle Mühe, den Ruf als gastliches Land stärker zu festigen. Zürichs Stadtpräsident Dr. Landolt, der die deutschen Gäste, die an der Jungfernfahrt teilgenommen hatten, willkommen hieß, gelang es sogar, den "Helvetia-Expreß" mit Goethe, einem der ersten deutschen Touristen in der Schweiz, charmant in Verbindung zu bringen, indem er formulierte: "Goethe wäre bestimmt nicht nur dreimal nach Zürich gekommen, wenn es damals schon den ‚Helvetia-Expreß‘ gegeben hätte." Willy Wenzke