Zweihundertfünftausendmal ist die Geschichte von der Berliner Sargfabrikantentochter Babette Bomberling und ihren Bräutigamen in spe zwischen 1909, als Alice Berend sie schrieb, und 1933, als sie unerwünscht wurde, verkauft, und noch viel öfter, ist sie gelesen worden. Mit wieviel Liebe zu dem soliden, aufstrebenden Berliner Kleinbürgertum und mit welch humorvoller Nachsicht für seine Schwächen hat nicht auch die jüdische Patriziertochter, die Schwägerin des großen Malers Lovis Corinth, von den vergeblichen Mühen Madame Bomberlings, ihre Babette unter die Haube zu bringen, erzählt:

Alice Berend: Die Bräutigame der Babette Bomberling. Roman (P. Keppler Verlag, Baden-Baden, 159 S.).

Unter der und gegen die Obhut der treusorgenden Mutter fand Babette 1909 ihren Platz im Leben. Zwanzig Jahre später placierte sich so manches Mädchen ganz und gar auf eigene Rechnung. Wenn es auch gewiß nicht alle so unverfroren anstellten wie jene Erna, deren kometenhaften Aufstieg einer der herrlichsten Schelminnenromane beschreibt:

Robert Neumann: Karriere. Roman (Verlag Kurt Desch, München, 211 S., Leinen 8,50 DM).

Das heißt, eigentlich erzählt nicht Robert Neumann, sondern Erna selbst in ihrem radebrechenden ungarisch-balkanischen Deutsch, wie sie aus dem Bumslokal für Schweinemäster, wo sie als Liebesgöttin Trompete bläst, von einem Berliner Geschäftsreisenden nach Budapest entführt wird und ihm dort mit einem Mädchenhändler durchbrennt, den sie aber schon in Warschau gegen einen griechischen Attaché vertauscht, bis sie in der freien Stadt Danzig bei einer großen internationalen Konferenz einem über die Maßen vornehmen englischen Diplomaten väterliche Sympathien abgewinnt...

Bei Amerikanerinnen wundert man sich natürlich erst recht nicht, wenn sie Selfmade-Women sind. Aber was für krause Wege auch dort! Die vielen hunderttausend Leser, die Betty MacDonald ("Das Ei und ich") bei dem Abenteuer ihrer Hühnerfarm schmunzelnd zugesehen haben, dachten sich wahrscheinlich: diese Autorin hat es leicht gehabt, sie hat etwas Lustiges erlebt und es dann aufgeschrieben, und das hat ihr ein Vermögen eingebracht. Aber, wenn man Betty MacDonald glauben darf, was sie in ihrem zweiten Roman von sich berichtet:

Betty MacDonald: Betty kann alles. (übersetzt aus dem Amerikanischen von Renate Hertenstein, Alfred Scherz Verlag, Bern, 240 S.).