Molotow macht Avancen – Einigung am Eisernen Tor

Sollte in nächster Zeit ein neuer Sowjetbotschafter für Belgrad ernannt werden, so wäre damit die Zahl der Moskauer Friedensgesten wirkungsvoll vermehrt." Der jugoslawische Geschäftsträger Djuric in Moskau war höchst erstaunt, als er, der im Außenministerium nur eine der üblichen Klagen über schlechte Behandlung vorbringen wollte, zu Molotow geführt wurde. Der sowjetische Außenminister versicherte ihm, die Sowjetregierung wünsche wieder normale diplomatische Beziehungen mit Jugoslawien herzustellen. Seitdem ist die Frage, ob Moskau gegenüber Tito einlenken wird, ein Unterhaltungsstoff aller Diplomaten.

Den Verlust, der durch den Kominformkrach mit Tito entstanden war, hat der Kreml nie verwunden. Es ging hier um mehr als Politik. Ketzer hatte es zwar in der kommunistischen Glaubensgemeinschaft schon immer gegeben; mit ihnen war man fertig geworden, man hatte sie ausgestoßen und geächtet. Den Frevel des Abfalls und der Bildung einer eigenen kommunistischen Konfession aber hatte vor Tito noch niemand gewagt. Moskau sah sich daher genötigt, die Kontrolle über die Sattellitenländer zu verschärfen um die Gefahr des "Titoismus" zu bannen. Deshalf richtete sich der Zorn Stalins vor allem gegen die ideologische Kritik der Jugoslawen. Der Konflikt wurde durch persönliche Empfindlichkeiten noch gesteigert, die nach Stalins Tod wohl an Bedeutung verloren haben.

Das erste sichtbare Zeichen für eine Änderung der Atmosphäre sind die jugoslawisch-rumänischen Verhandlungen über die Donauschiffahrt im Gebiet des Eisernen Tores. Fünf Jahre herrschte hier ein Kleinkrieg, tragikomischer Art. Jugoslawien weigerte sich, Kominformdampfer, deren Länder Abgaben an das Ketzerland für unter ihrer Würde hielten, durch den Schiffahrtskanal am Eisemen Tor zu schleppen. Als ihm die Galatzer Donaukommission deswegen eine Rüge erteilte, drohte es mit seinem Austritt. Im milden Moskauer Nachmärzklima trafen sich die feindlichen Flußnachbarn dann endlich am Verhandlungstisch. Sie berieten lange, aber nicht fruchtlos. Die Einsetzung einer gemischten Verwaltung für das Eiserne Tor ist nun beschlossen. Die Donaukommission mit ihrem sowjetischen Generalsekretär wird auf ihrer Tagung in Galatz im nächsten Monat dieses Abkommen zweifellos billigen. Der nächste Schritt könnte die Aufhebung der Wirtschaftsblockade gegen Jugoslawien sein. Moskauer Grundsatz ist, mit "allen" Ländern in geschäftliche Beziehungen zu treten, warum also nicht auch mit Tito.

Eine ganz andere Frage ist aber, ob eine Versöhnung möglich ist, eine Rückkehr des verlorenen Sohnes. Daran denkt im Ernst wohl niemand, weder in Moskau noch in Belgrad. Tito hat in den vergangenen Jahren mannigfache, und insbesondere finanzielle Beziehungen zur westlichen Welt aufgenommen, hat durch den Balkanbund einen militärischen Rückhalt gewonnen, und hat sich vor allem ideologisch vom sowjetischen Sozialismus entfernt. Eine echte Übereinstimmung zwischen ihm und der von den Sowjets beherrschten Welt dürfte schwerlich wiederherzustellen sein.

Harald Laeuen

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