Nach dem Abschluß des Londoner Schuldenabkommens ist der Unwille der Sperrmarkgläubiger, deren Guthaben in diesem Vertragswerk keine Berücksichtigung fanden, noch größer geworden. über die starren Reglementierungsvorschriften der Sperrmarkkonten wird im Ausland viel geklagt. Die Tatsache der Verfügungsbeschränkung findet in dem relativ niedrigen Kurs der Sperrmark ihren sichtbaren Ausdruck (in Zürich 61 bis 62 sfr für 100 Sperrmark gegenüber einem Banknotenkurs von 95–96 sfr). Zwar kann eine geschickte Spekulation als der Wechselwirkung zwischen Sperrmarkkurs und Effekten-Kursen beträchtliche Gewinne erzielen die Masse der Gläubiger möchte jedoch, ihre Guthaben möglichst bald transferieren oder auf irgendeine Weise realisieren. Die Neigung, in der Bundesrepublik zu investieren, ist gering, sie ist nur dort vorhanden, wo bereits frühere Bindungen bestehen.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist es für die BdL nicht ganz einfach, dem Drängen der Auslands-Gläubiger auf eine größere Freizügigkeit in der Behandlung der Sperrmarkguthaben nachzugeben; denn ehe man hier neue Bindungen eingeht, muß man die Verpflichtungen, die sich aus dem Londoner und dem Israel-Abkommen ergeben, in ihren Wirkungen genauer übersehen können. Das dürfte auch einer der Gründe sein, warum sich die zuständigen amtlichen Stellen gegenüber den nunmehr auch in der Öffentlichkeit erhobenen Vorschläge der deutschen Hotellerie auf Schaffung einer Reisemark, die mit Sperrmark erworben werden kann, reserviert verhalten, überdies befürchtet man eine unliebsame Einengung der ansehnlichen Deviseneinkünfte (in 1952: 470 Mill. DM), die der Fremdenverkehr jährlich bringt. Wenn man hier keinen Rückschlag erleben will, muß versucht werden, die noch ungenutzten Kapazitäten der deutschen Fremdenverkehrswirtschaft für einen zusätzlichen Ausländerbesuch nutzbar zu machen. Dabei ließe sich durch eine Begrenzung des je Tag freizugebenden Sperrmarkbetrags der Devisenausfall so weit einengen, daß er durch den wachsenden Ausländerverkehr wieder ausgeglichen werden kann. Die Frage der organisatorischen Abwicklung, über die man sich an einigen Stellen bereits Kopfschmerzen macht, spielt eine zweitrangige Rolle. Es ist eine reine Frage der Zweckmäßigkeit, ob man sich hier einer neu zu schaffenden Organisation, die dem Hotelgewerbe nahesteht, oder der vorhandenen Bankinstitute bedienen wird.

Die Freigabe der Sperrmark für Reisen, auch für Erwerber aus zweiter Hand, würde an den internationalen Börsen zu einer Anhebung des Kurses führen, der augenblicklich für uns keine Empfehlung darstellt. Vermutlich würde die Spanne bis zum Pari-Kurs aber noch so groß sein, daß sie für den Erwerber genügend Anreiz bietet, seinen Urlaub in Deutschland zu verbringen. So läßt sich – zunächst jedenfalls – die Schaffung einer verbilligten Reisemark mit ihren beträchtlichen Nachteilen vermeiden? dennoch erhält die Fremdenverkehrswirtschaft eine reelle Chance – und außerdem zeigt man den ausländischen Sperrmarkgläubigern, daß die Bundesrepublik im Rahmen ihrer volkswirtschaftlichen Möglichkeiten bereit ist, auch die Tilgung dieser Schulden aufnehmen. K. Wendt