Heute weiß man längst, daß der Rundfunk auf der drahtlosen Telegraphie beruht und jedes Flugzeug und jedes Schiff durch die drahtlose Telegraphie mit den Häfen in Verbindung stehen. Aber wenige werden gehört haben, daß schon 1912 beim Zusammenstoß der "Titanic" mit einem Eisberg mehr als tausend Passagiere der drahtlosen Telegraphie ihr Leben verdankten ...

Der Rundfunk ist heute etwa 30 Jahre alt; die drahtlose Telegraphie jedoch ist 20 Jahre älter. Schon vor der Jahrhundertwende entschlossen sich auch deutsche Gelehrte zu Versuchen: in Straßburg Prof. Ferdinand Braun und in Charlottenburg Prof. Adolf Slaby mit seinem Assistenten Graf Georg von Arco. Ersterer fand Hilfe bei der Firma Siemens & Halske, letzterer bei der AEG. Da aber beide Firmen infolge des Konkurrenzkampfes in Streit gerieten, schlug Kaiser Wilhelm II. eine Vereinigung vor. Nach diesem Ratschlag wurde am 27. Mai 1903 die je zur Hälfte zur AEG und zu S & H gehörende Firma Telefunken Gesellschaft für drahtlose Telegraphie gegründet, die nun auf ihr 50jähriges Bestehen zurückblicken kann.

Nach den ersten erfolgreichen Lieferungen für deutsche und ausländische Rechnung erbaute Telefunken 1906 nordwestlich von Berlin für Überseeversuche eine Sendeanlage mit 100 m hoher Antenne. Hieraus entstand die weltbekannte Großfunkstation Nauen. Entwicklung und Fertigung von Röhren für Senden und Empfang und Ausarbeitung der dazu notwendigen Schaltungen wurden wesentliche Aufgaben von Telefunken. Dr. H. Bredow, vorher Vorstandsmitglied von Telefunken und 1919 Staatssekretär geworden, wandte große Mühe auf, um den Rundfunk in Deutschland durchzusetzen. 1923 gelang es ihm schließlich. Telefunken als Besitzerin der umfassenden Patente gab großzügig die Lizenzen zum Rundfunkempfängerbau an zahlreiche Firmen, von denen viele noch heute den Kern der deutschen Rundfunkindustrie bilden. Um 1925 erlebte die drahtlose Telegraphie dann eine naturwissenschaftliche Überraschung: die Entdeckung der erheblichen Ausbreitung der Wellen zwischen etwa 15 m und 100 m Wellenlänge über die Ionosphäre. Für den transozeanischen Telegramm- und Telefonverkehr war dies von umwälzender Bedeutung. Die Transradiostation Nauen legte die Hochfrequenzmaschinensender von 400 kW Leistung zum alten Eisen (und Kupfer) und stellte sich alsbald auf Röhrensender um, die die Kurzwellen rationell erzeugen können.

In der schnellen Entwicklung des Rundfunks blieb dieser Umschwung vom Publikum fast unbemerkt, bis schließlich auch Rundfunksender mit kurzen Wellen gebaut wurden (in Deutschland die berühmten Olympiadesender mit Richtstrahler nach Nordamerika, Südamerika, Afrika und Ostasier) und die Rundfunkempfänger "Kurzwellenbereiche" bekamen. Im Rundfunkprogramm sind, wenn man von der aktuellen Berichterstattung absieht, Musiksendungen am wichtigsten; sie bleiben aber mit ihrem breiten Frequenzband (30 Hertz bis normalerweise 10 000 Hertz) von sehr vielen technischen Voraussetzungen abhängig, Mikrophon, Verstärker, Röhren, Sendermodulation, Demodulation und schließlich Lautsprecher müssen zu ihrem Teil beitragen. Alle diese Einzelheiten sind auf Grund des Rundfunkbedarfes in hervorragender Qualität entwickelt worden und haben eine erstaunliche Vervollkommnung der Elektroakustik bewirkt. Damit konnte Telefunken auch akustisch so komplizierte Aufgaben, wie die Lautsprecheranlage im Olympiastadion von Berlin und neuerdings in Helsinki, zu; allgemeinen Befriedigung lösen.

Der nächste Fortschritt in der drahtlosen Telegraphie, das Fernsehen, nahm 1928 seinen Anfang. Es war ein alter Wunschtraum, zu dessen Erfüllung auch einige frühzeitige Erfindungen, so die Zerlegerscheibe von dem Deutschen Nipkow und die 1898 erfundene Braunsche Röhre (von Prof. Ferdinand Braun) gehören. Die Funkausstellungen der folgenden Jahre zeigten bereits viel vom heutigen Fernsehen: den Heimempfänger mit Unterhaltungsprogramm, Telefonie mit gegenseitigem Sehen, das Projektions-Großbild, das Fernsehkino mit regelmäßigem Programmbetrieb. Die Aufrüstung nach 1933 stellte dann Telefunken vor gänzlich andere technische Aufgaben. Sie waren beherrscht von der Notwendigkeit der sicheren Nachrichtenverbindung und eigenen Orientierungsmöglichkeit exponierter Stellen. Ein im letzten Kriege hochentwickelter Zweig, der seine Bedeutung für den Friedensverkehr behalten wird, ist die drahtlose Feststellung großer, insbesondere metallischer Gegenstände auf der Erdoberfläche, auf dem Meere oder in der Luft. Bei uns nennt man dieses Verfahren "Funkmeß" (erfunden 1904 von dem Deutschen Chr. Hülsmeyer), das Ausland hat die Bezeichnung "Radar" dafür geprägt.

Alle derartigen Entwicklungen wurden 1945 in Deutschland abgebrochen, und vieles ging verloren. Aber bald fanden sich neue Arbeitsmöglichkeiten; Telefunken baute mit allen Kräften wieder auf. In zwei Werken in Berlin, in einem in Hannover und einem in Ulm kann Telefunken heute auf allen Gebieten seiner Fertigung tätig sein. Auch die Auslandsbeziehungen sind wieder angeknüpft, und zahlreiche Lieferungen zeigen, daß der alte Ruf der deutschen Weltmarke erhalten geblieben ist. Die Nachkriegszeit brachte mit der Einführung des UKW-Rundfunks für die Öffentlichkeit einen neuen Wellenbereich. Ursprünglich nur Notbehelf wegen der Einschränkung der deutschen Rundfunkhörer, führte die UKW zu einer wesentlichen Verbesserung in Klang und Störfreiheit und brachte die deutsche Technik weit voran. Telefunken hatte bereits seit 1926 auf diesem Gebiete Erfahrungen gesammelt, konnte zahlreiche Sender bauen, entwickelte besondere Röhren dafür und stattete seine Empfänger mit dem UKW-Teil aus.

Daneben wurde die UKW-Technik und die seit 1931 in die Arbeit einbezogene Dezimeterwelle auch für andere Aufgaben der Nachrichtenübermittlung herangezogen. Richtfunkstrecken entstanden, leichte, tragbare oder fahrbare Funksprechanlagen fanden für Polizei, Feuerwehr, Kraftwagen, Sport und Reportage Eingang. Zur Übertragung des Fernsehens quer durch Deutschland konnte Telefunken u. a. die Dezimeter-Relaisstrecke Hamburg–Köln aufbauen, die einem wachsenden Teilnehmerkreis zeigen wird, daß in einem Lande mit 50jähriger Tradition der drahtlosen Telegraphie auch der Fernseh-Rundfunk technisch erstklassige Leistungen bieten kann.