Professor Noll von der Nahmer hat, in seiner Eigenschaft als Bundestagsabgeordneter der FDP, einen Gesetzentwurf eingebracht: er will die bei der BdL und bei den Landeszentralbanken liegenden Ausgleichsforderungen in eine zinslose Buchschuld verwandeln. Daß Herr Noll von der Nahmer diese Meinung propagiert, ist sein gutes Recht, und niemand wird ihm deshalb Vorwürfe machen dürfen – wie umgekehrt wir es als unser gutes Recht in Anspruch nehmen, vor den Folgen solcher Vorschläge (wie in Nr. 18 vom 30. April unter der Überschrift "Umgekehrt wird’s ein Schuh!" geschehen) nachdrücklichst zu warnen.

Anders zu beurteilen ist nun freilich der Versuch des Professors Noll von der Nahmer und seiner Eideshelfer, durch unsachgemäße Darstellungen ein falsches Bild der Zusammenhänge zu geben. Da heißt es etwa in der "Wirtschaftszeitung", laut Zitat der FAZ vom 19. Mai:

"Viele der Gegenargumente sind nicht überzeugend. Manche sind sogar einfach falsch. So die Behauptung, daß die Umwandlung der Ausgleichsforderungen in eine zinslose Buchschuld sie zu einem Nonvaleur mache und damit ein Milliardenloch in der Bilanz der Notenbank aufreiße. Wenn das richtig wäre, müßten auch die ebenfalls unverzinslichen Gold- und Devisenguthaben ein Loch in der Bilanz aufreißen."

Weiterhin heißt es da, man solle sich doch davor hüten, "aus mißverstandenen Buchhaltungsregeln bankpolitische Konsequenzen zu ziehen". – Das geht nun denn doch zu weit. Ganz abgesehen davon, daß Devisen (im Gegensatz zu Noten und Sorten) sehr wohl zinsbringende Anlagen sein können (was eigentlich den Freunden des Professors Noll von der Nahmer und ihm selber bekannt sein sollte), genügt es ja doch wohl, die ganz simple Frage aufzuwerfen: "Was sind zinslose Buchforderungen eigentlich wert?" – um den Unsinn dieser Darstellung offenzulegen. Kann man mit derartigen Ausgleichsforderungen etwa Weizen, Kupfer oder Baumwolle kaufen, wie mit Gold oder mit Devisen? Kann man sie bei einer Offenmarkt-Politik des Zentralbanksystems "einsetzen"? Alles das ist ja eben nicht der Fall; deshalb wurde (bei uns, und auch anderwärts) mit Recht gesagt, daß es sich um Nonvaleurs handelte, und daß "umgekehrt ein Schuh daraus" werden müsse: indem man nämlich die Ausgleichsforderungen durch entsprechende Zinsausstattung zu einem echten Kapitalmarktpapier und zu einem Instrument der Bankpolitik machte. Denn um bankpolitische Notwendigkeiten geht es uns, und nicht um buchhalterische Spitzfindigkeiten oder um metaphysisch-tiefsinnige Betrachtungen über Geldschöpfung und Geldvernichtung, wie sie von der Gegenseite als Diskussionsbeitrag gebracht worden sind. Im übrigen könnte der Abgeordnete Noll von der Nahmer aus der Begründung, die seine Fraktion zum Entwurf des Bundesnotenbank-Gesetzes vorgelegt hat, unschwer entnehmen, wie seine Parteifreunde sich zum Problem der Ausgleichsforderungen stellen. n. f.