Im Vordergrund der Stahlbautagung, die vom Deutschen Stahlbau-Verband in Hamburg durchgeführt wurde, standen neben einer Reihe von technischen Themen die Exportschwierigkeiten. Wie in der gesamten eisenverarbeitenden Industrie, so ist auch im westdeutschen Stahlbau als Folge der starken ausländischen Konkurrenz ein erhebliches Absinken der Exportaufträge festzustellen. Vor dem Kriege hatte die Exportquote 3 bis 6 v. H. betragen und war dann 1951 auf 9 und 1952 sogar auf 12 v. H. des Gesamtumsatzes angestiegen. Jedoch wiesen die Auftragseingänge im Export trotz der günstigen prozentualen Entwicklung einen sehr empfindlichen Rückschlag auf: sie sanken von 117 Mill. DM in 1951 um 35 v. H. auf 76 Mill. DM im Vorjahr.

Als Ursache dieser negativen Entwicklung werden in der Hauptsache die deutschen Eisenpreise angesehen, die mit ihrer Höhe die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Stahlbauindustrie sehr erschweren. An der Spitze der ausländischen Konkurrenten stehen Großbritannien und die USA, deren Erzeugnisse auf dem internationalen Markt im Verhältnis zum deutschen Angebot um 30 bis 40 v. H. billiger zu haben sind. Auch die Kreditforderungen, die seitens der ausländischen Auftraggeber bei großen Objekten oft 6 bis 8 Jahre umfassen, verstärken die augenblicklichen Schwächetendenzen des deutschen Stahlbaues. Leider dürfte sich die rückläufige Entwicklung in diesem Jahre kaum ändern, obwohl man aus dem Nahen Osten, den nordischen Staaten und aus Kanada eine Reihe günstiger Aufträge erhalten konnte. Die Hoffnung der westdeutschen und Westberliner Stahlbauindustrie richtet sich auf das Nachgeben der Eisenpreise und schließlich auch auf eine baldige Sanierung der Bundesbahn, die zu den wichtigsten Auftraggebern zählt.

Trotz des Abwärtstrends im Exportgeschäft wird die Stahlbauindustrie von einem gesunden Optimismus beherrscht. Seine Berechtigung ergibt sich aus der ungewöhnlich günstigen technischen Entwicklung und der damit verbundenen Entfaltung rationeller Fertigungsmethoden. Die Beweise sind augenscheinlich: von den 8500 im Kriege zerstörten Brücken hat die Stahlbauindustrie bisher 7650 wieder aufbauen dürfen. Brücken zählen zu den klassischen Erzeugnissen des Stahlbaues; mit Recht wird die Schaffung dieser stählernen Bauwerke als die "Hohe Schule des Stahlbaues" angesehen. – Zentrum der deutschen Stahlbauindustrie ist naturgemäß das Rhein-Ruhr-Gebiet. Hier haben 52 v. H. der 165 Stahlbaubetriebe mit ihren 50 000 Arbeitnehmern ihren Sitz. we