Im Zuge der Kampagne gegen die immer drückender werdenden Steuerlasten weist jetzt auch der Geschäftsbericht der Wirtschaftsvereinigung Groß- und Außenhandel Schleswig-Holstein e. V. in Kiel (erstattet in der 7. Jahreshauptversammlung am 22. Mai in Kiel) darauf hin, daß, den stark verringerten Gewinnmöglichkeiten der Wirtschaft ein Staatsapparat gegenüberstehe, dessen übermäßige Ausdehnung auf die Dauer von der Wirtschaft nicht getragen werden könne. Die Wirtschaft betrachte es mit großer Sorge, daß es den staatlichen Organen offenbar schwerfalle, ihre Aufgaben auf ein erträgliches Maß einzuschränken. "Staat und Wirtschaft müssen, allmählich wieder zu der Einsicht kommen, daß viele Dinge besser der freien Entwicklung oder der wirtschaftlichen Selbstverwaltung überlassen werden. Anderenfalls wird die weitere Durchführung der Marktwirtschaft auch die Rationalisierung des Behördenapparates erzwingen."

Zu dem gegenwärtig anlaufenden Produktivitätsprogramm der Bundesregierung erklärt die Wirtschaftsvereinigung, daß die bisherigen Kreditplanungen im wesentlichen am Großhandel vorbeigelaufen seien. Wenn auch die Vorrangigkeit der Produktion anerkannt werden müsse, sei festzustellen, daß selbst die beste Ware dem Verbraucher nichts nütze, wenn nicht ein leistungsfähiger Handel dafür sorge, daß sie in rationeller Weise und zur richtigen Zeit an den Verbraucher herangebracht wird. Die Wirtschaftsvereinigung spricht sich in ihrem Geschäftsbericht für den allmählichen Abbau der Kreditbewirtschaftung aus und für durchgreifende Maßnahmen, die geeignet seien, den Kapitalmarkt wieder in Ordnung zu bringen. Um die überhöhten Kreditbedingungen aufzulockern, wünscht der Großhandel die Möglichkeit zu haben, Wechsel bei den Landeszentralbanken direkt diskontieren zu können, wie es früher bei der Reichsbank auch der Fall war.

In dem Bericht wird bedauert, daß die vom Bundesfinanzministerium eingeleiteten Schritte zur Milderung der einseitigen steuerlichen Begünstigung der Genossenschaften nicht mit genügender Aktivität fortgesetzt werden. Es sei nicht zu übersehen, daß in der öffentlichen Wertung, insbesondere von Seiten der Verwaltung und der Gesetzgebung, der genossenschaftlichen Absatzorganisation eine Bedeutung beigemessen werde, die ihr weder in ideeller noch in materieller Hinsicht zukomme. Dies zeige sich nicht nur in dem starren Festhalten an einseitigen steuerlichen Vorteilen, sondern auch an einer Kreditpolitik und finanziellen Vorteilen anderer Art, die eine erfolgreiche Konkurrenz privater Unternehmen ausschließe. -er