DIE ZEIT

Verfassungswidrig

Der Bayrische Verfassungsgerichtshof hat das bayrische Gesetz Nr. 3 vom 16. Oktober 1945, das denjenigen mit Strafe bedroht, der „gegen die Interessen der alliierten Streitkräfte oder eines ihrer Mitglieder handelt“, für verfassungswidrig und nichtig erklärt.

Optimismus gefährdet den Frieden

Welch überraschende Wandlung: nachdem Churchills „Locarno-Rede“, die zu einem west-östlichen Gespräch aufforderte, zunächst in Amerika eine Kettenreaktion von Unwillen und skeptischen Kommentaren auslöste, hat drei Tage später Präsident Eisenhower die Initiative ergriffen und die beiden anderen „Großen Drei“ zu einer Konferenz auf die Bermuda-Inseln eingeladen.

Die „Einigkeit“ der Diadochen

Es ist still geworden um die inneren Auseinandersetzungen in der Sowjetunion. Nachdem Ignatjew über die „Ärzteverschwörung“ gestürzt ist, scheint es in der Parteihierarchie keine Konflikte mehr zu geben.

Erster Preis: Reise nach den Bermudas

An der Säulenfassade des Palais-Bourbon in Paris, in dem die Nationalversammlung tagt, hängt ein großes Plakat, das zur Loterie Nationale einlädt.

Schwarz-Weiß-Rot

Man muß dem Bundesrat wirklich Dank dafür wissen, daß er sich (und sogar einstimmig) für ein Uniformverbot ausgesprochen hat.

Warum nicht gleich?

Bundesinnenminister Dr. Lehr hat kürzlich in einem Interview erklärt, daß angesichts der auf 150 000 Mann verstärkten Volkspolizei zur Sicherung der Zonengrenze ein Bundesgrenzschutz von 50 000 Mann notwendig wäre.

General Templer

Er ist unerbittlich, ja rücksichtslos in seinen Ansprüchen, aber dankbar ist er nicht. Während Montgomery stets für die Beförderung seiner Offiziere gesorgt hat, weiß man in der englischen Armee, daß von Templer in dieser Beziehung nichts zu erwarten ist.

Privater Traum vom Weltraumflug

Über eines sind wir uns doch alle klar –: Wenn morgen eine bemannte Rakete in den Weltraum abgeschossen werden sollte, würden sich noch heute genug Freiwillige melden, die darin fliegen möchten.

ZEITSPIEGEL

Der neue Oberbefehlshaber der atlantischen Streitkräfte, General Gruenther, pflegt zu sagen, er gehöre der einzigen Flotte der Welt an, die noch nie geschlagen worden sei.

Prozeß gegen den SED-Staat

Die Pfingstfeiertage gehörten in der Sowjetzone wie nie zuvor der Kirche. Wenige Tage vor dem Fest hatte der Generalstaatsanwalt Melsheimer den Strafantrag zurückgewiesen, den Bischof Dibelius gegen das FDJ-Organ „Junge Welt“ wegen seiner fortgesetzten Angriffe gegen die „Junge Gemeinde“ der evangelischen Kirche gerichtet hatte.

Nur für Experten

Im Wahlrechtsausschuß des Bundestages gab es eine Überraschung, als ein Abgeordneter der Föderalistischen Union, die bisher mit der Opposition gestimmt hatte, plötzlich auf die Seite der Regierung überwechselte.

Kafkas "Schloß"

Nachdem vor einigen Jahren Andre Gide und Barrault Kafkas Roman Der Prozeß" dramatisiert hatten (die

Der Kaffeekrieg

Bonn, 22. Mai 1953 Mit seinem zähen Widerstand hat es der Bundesfinanzminister dazu gebracht, daß die Wahlschlachtmunition der Kaffeesteuersenkung noch nicht verfeuert werden konnte.

Stiefkind Kulturfilm

Julius Bab, der während der Zweiten Mannheimer Kultur- und Dokumentarfilmwoche in Mannheim einen Vortrag hielt, ließ sich von Jean Mitry, Frankreichs Kurzfilmregisseur Nr.

Wettlauf der Paragraphen

Der Bundestag wird demnächst in dritter Lesung über weitere Änderungen des deutschen Strafgesetzes entscheiden. Das ist schon das dritte Gesetz dieser Art, das die Bundesregierung seit 1950 vorgelegt hat.

Von Porkkala bis Rügen

Die Sowjets stehen am Pazifik und beherrschen die Ostseeküste von Porkkala bis Lübeck. Armee, Flotte und Luftwaffe arbeiten an einem Festungssystem, das die gesamte im sowjetischen Machtbereich liegende Küste der Ostsee zu einem Wall verbinden soll.

Auf den Straßen von Paris

Das ist sicher der 199. Film, der Paris besingt, und nicht der erste, der den Quatorze Juillet, Frankreichs Nationalfeiertag, im Pariser Milieu schildert.

Janis und die dreihunderttausend Mauser

Vermutlich würde ich niemals die Bekanntschaft von Janis Karklin aus Jelgava – es ist der lettische Name für Mitau – gemacht haben, wenn nicht in den Sommermonaten 1923 die Inflation wie eine Rakete zu astronomischen Höhen emporgeschnellt wäre.

Sprachverwirrung in der Grundschule

Um die Hamburger Schulreform ist in letzter Zeit viel gestritten worden. Vielmehr: der latente dauernde Widerstand weitester Kreise gegen sie hat sich mehrfach Luft gemacht.

Die Chinesische Nachtigall

Innerhalb von vierzehn Tagen hat man in München zwei Ballette uraufgeführt, zuerst im Staatlichen Theater am Gärtnerplatz Jean Cocteaus Legende „Die Dame und das Einhorn ein von patriotischem Sentiment inspiriertes Genoveven-Stück nach einer mittelalterlichen Tapisserie zu alten Chansons und Tanzformen aus dem 15.

Grau und eintönig sind Fabriken?

Die ersten Autos, die auf den Straßen rollten, sahen wie Pferdewagen aus, obwohl die Quintessenz ihres Wesens darin bestand, daß Pferde hier nicht benötigt wurden.

Das abendfüllende Chanson

Die Operette ist tot – es lebe die Operette! Genauer gesagt: tot ist heute die Form der Operette, die von 1900 bis in den zweiten Krieg hinein die Spielpläne beherrschte, die Operette, deren größte Erfolge an die Namen Franz Lehár und Emmerich Kálmán geknüpft waren.

Vollstreckungsschutz in der Retorte

Seit Mitte des vergangenen Jahres liegt dem Rechtsausschuß des Bundestags ein Gesetzentwurf vor, der die Reform des Vollstreckungsschutzrechtes zum Ziele hat.

Das geht zu weit

Professor Noll von der Nahmer hat, in seiner Eigenschaft als Bundestagsabgeordneter der FDP, einen Gesetzentwurf eingebracht: er will die bei der BdL und bei den Landeszentralbanken liegenden Ausgleichsforderungen in eine zinslose Buchschuld verwandeln.

Optimistische Autoindustrie

Als ebenso überraschend wie ungesund bezeichnete Dr. von Brunn, der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Deutschen Automobilindustrie, vor den Mitgliedern des VDA in Hamburg den Gedanken, daß der Kraftverkehr in Deutschland bereits in überreichem Maße vorhanden sei: „Ein Blick auf die vergleichbaren europäischen Länder zeigt, daß die Kraftwagendichte im Bundesgebiet hinter derjenigen der anderen Ländern immer noch wesentlich zurücksteht.

Messe-Konzentration

Die lange und bisher stets unbefriedigend verlaufene Diskussion über die Angleichung der Termine der deutschen Großmessen scheint jetzt zu einem ersten positiven Ergebnis zu kommen.

50 Jahre deutsche Funkgeschichte

Heute weiß man längst, daß der Rundfunk auf der drahtlosen Telegraphie beruht und jedes Flugzeug und jedes Schiff durch die drahtlose Telegraphie mit den Häfen in Verbindung stehen.

Ein diskutabler Vorschlag

Der FDP-Landtagsabgeordnete von Nordrhein-Westfalen, Walter Sch\eel, hat kürzlich (in seiner Eigenschaft als Vorstandsmitglied des Studienkreises für sozialwirtschaftliche Betriebsformen) erneut die Reprivatisierung des industriewirtschaftlichen Vermögens der öffentlichen Hand (zur Abdeckung gewisser Verpflichtungen des Bundes) in die Debatte geworfen.

Marktwirtschaft mit Seitensprung

Die „Kleine Steuerreform“ soll nun nach mancherlei Verzögerungen endlich Wirklichkeit werden. Über dem Hin und Her, das sich bei der „Kleinen Reform“ ereignet hat, sind die Vorschläge für die „Große“ („organische“) Steuerreform, die der Wissenschaftliche Beirat beim Bundesfinanzministerium unlängst erstattet hat, in der öffentlichen Diskussion etwas zu kurz gekommen.

Belasteter Ausgleich

In Hannover hat sich der Bund der Steuerzahler die Mühe gemacht, einmal die „Schattenseiten“ des Lastenausgleichs zu berechnen.

Exportschwäche im Stahlbau

Im Vordergrund der Stahlbautagung, die vom Deutschen Stahlbau-Verband in Hamburg durchgeführt wurde, standen neben einer Reihe von technischen Themen die Exportschwierigkeiten.

Kampffront gegen die Schiene

Die Krise der Bundesbahn und die Vorschläge zur Sanierung dieses wichtigen deutschen Verkehrsträgers haben, wenn auch sehr spät, nun selbst das Kabinett beschäftigt.

Neuerscheinungen für die Wirtschaft

„Berlin ist eine Werbung wert!“ Unter diesem Thema steht das April-Heft der im Storch-Verlag Reutlingen erscheinenden Werbefachzeitschrift „Die Anzeige“.

Großhandel verlangt gleichen Start

Im Zuge der Kampagne gegen die immer drückender werdenden Steuerlasten weist jetzt auch der Geschäftsbericht der Wirtschaftsvereinigung Groß- und Außenhandel Schleswig-Holstein e.

Besonders Montane bleiben vernachlässigt

In der Woche vor dem Pfingstfest wurden die Aktienwerte weiterhin vernachlässigt; erst zum Wochenschluß stellten sich einige Erholungen ein, die jedoch nicht ausreichten, um die vorhergegangenen Verluste völlig auszugleichen.

Westfalen ist verschwunden

Was ist Westfalen oder was ist es gewesen? Um es vorweg zu nehmen: Westfalen ist niemals zur politischen Geschlossenheit gekommen; Westfalen ist immer nur „Raum“ gewesen, „historische Landschaft“, wie man auch gesagt hat, um mit einem Verlegenheitsausdruck einen Zustand zu bezeichnen, der seinesgleichen nicht hat.

Der Triumph der „Blasen-Menschen“

Wer würde leugnen, daß es dem Leben an Komik fehlt? Und da ist neuerdings noch eine besondere Sorte von Komik, die, weil sie Importware ist, mit dem Buchstaben C geschrieben wird und uns als „Comic Strips“ überall entgegentritt.

„Most excellent Majesty“

Der große Tag für England und das Britische Commonwealth ist da: am 2. Juni 1953 wird Königin Elizabeth II. feierlich gekrönt.

Marokko – das ist Mittelalter mit Elektrizität

In Marokko hat man Gelegenheit, erstaunliche Feststellungen zu machen. Es zeigt sich nämlich, daß die Franzosen dort, wo es gilt, den Kampf ums Dasein zu bestehen, ungeahnte Tüchtigkeit und einen geradezu erschreckenden Arbeitseifer entwickeln.

War Zola Romantiker?

Wer sich zum täglichen Leben auf angenehme Weise untauglich machen will, dem ist zu raten, möglichst viele Romane (nicht einmal die schlechtesten) zu sich zu nehmen.

Was wir an der französischen Literatur erkennen

Wer würde nicht wünschen, daß das nationale Nebeneinander gleichzeitiger Literaturen allemal auch ein Miteinander, eine Symbiose sei –, so daß, was das eine Land an wesentlichem hervorbringt, sogleich auch im anderen Land zu wirken vermag und umgekehrt? Spricht man von „europäischer Literatur“, so setzt man voraus, es verhalte sich wirklich so.

Verbotene Spiele

Das Buch des französischen Autors François Boy er „Jeux Interdits“ wurde jetzt unter dem – Titel Verbotene Spiele in deutscher Sprache herausgebracht (Verlag O.

Ich schreibe, um zu leben

Was hier zu erzählen ist, ist nicht die Inhaltsangabe einer Romanhandlung, sondern der kurze Bericht von einem wirklich gelebten und gestorbenen Leben: Eine junge Französin, Paule Regnier, verliert 1915 durch den Krieg den Mann, den sie liebt, Paul Drouot.

Wenn es zu spät ist

Wie ist es möglich, daß wir einen so glänzenden Schriftsteller wie Georges Simenon erst jetzt in deutscher Übersetzung kennenlernen? Nach der Lektüre seiner ersten vier Romane in deutscher Sprache, die jetzt in der Deutschen Verlagsanstalt (Stuttgart) erschienen, ist man versucht, einen Superlativ zu gebrauchen: diesem französischen Schriftsteller (den André Gide den „größten lebenden Erzähler Frankreichs“ nannte), ist gelungen, was seit einiger Zeit niemandem mehr gelang; die ideale Verbindung von äußerlich spannenden, ja kriminalen Stoffen, psychologischer Durchdringung und wirklicher Ver-dichtung – also der wirkliche, reine Roman, der niemals nur ästhetisierende Dichtung und auch nicht Hintertreppengeschichte sein darf.

Beim Unbewußten zu Gast

Am Ende von Simone de Beauvoirs erstem, 1939 begonnenem Buch, dem Roman „L’Invitée“, jetzt als letzte ihrer Arbeiten unter dem Titel Sie kam und blieb bei Rowohlt, Hamburg, erschienen (523 Seiten, Leinen) steht der Ausbruch des zweiten Weltkrieges.

Nichts wird aufgedrängt

Um eine Bronze zu gießen, muß man das flüssige Metall in eine vorbereitete Form einlassen. Diese Hohlform kann nur der als sinnvolle Gestalt verstehen, der schon im Geiste den vollen Guß vor Augen hat.

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