Nach einer zehntägigen, von den Alliierten erbetenen Pause sind die Waffenstillstandsverhandlungen in Korea am Pfingstmontag wiederaufgenommen worden. Die Unterbrechung erfolgte, weil die Bedenken einer Reihe von Mitgliedsstaaten der UNO gegen die Verhandlungstaktik in Panmunjon dazu geführt hatten, daß die amerikanische Delegation mit neuen Instruktionen versehen werden mußte. Die Kritik der UNO-Mitgliedsstaaten war vom indischen Ministerpräsidenten Nehru zum Ausdruck gebracht worden, der im Parlament in Neu-Delhi feststellte, daß der letzte Vorschlag der Chinesen und Nordkoreaner der von den Vereinten Nationen angenommenen Korea – Entschließung vom 3. Dezember 1952 sehr ähnlich sei, während der amerikanische Gegenvorschlag erheblich von ihr abweiche. Der amerikanische Unterhändler in Panmunjon hatte vorgeschlagen, alle nordkoreanischen Gefangenen, die nicht zurückkehren wollen, sofort, die chinesischen Gefangenen 60 Tage nach der Übergabe an die neutrale Fünf-Mächte-Kommission freizulassen, falls sie auch dann noch die Heimkehr verweigerten. In der UNO-Entschließung – und im Vorschlag der Chinesen und Nordkoreaner – war hingegen eine Übergabe aller Gefangenen an die neutrale Kommission für die Dauer von 90 Tagen vorgesehen. Das Schicksal der Gefangenen, die dann immer noch die Heimkehr verweigerten, sollte durch eine politische Konferenz entschieden werden. Außerdem hatte das amerikanische Oberkommando für Entscheidungen der neutralen Fünf-Mächte-Kommission Einstimmigkeit gefordert, während in der UNO-Entschließung nur eine Mehrheitsentscheidung vorgesehen war. Schließlich war im amerikanischen Vorschlag die politische Konferenz, die ein wesentlicher Bestandteil der UNO-Entschließung ist, überhaupt nicht erwähnt worden. Die abgeänderten Vorschläge, die der amerikanische Delegationsführer General Harrison nunmehr in Panmunjon vorgelegt hat, scheinen sich im wesentlichen der UNO-Resolution anzupassen. Der Führer der chinesischen und nordkoreanischen Delegation hat daraufhin um eine Vertagung der Verhandlungen bis zum 1. Juni ersucht, damit eine Prüfung der neuen Vorschläge durch Peking und Pyonjong erfolgen könne.

Der Labour-Abgeordnete und frühere britische Handelsminister, Harold Wilson, der auf einer Geschäftsreise Prag, Moskau und Budapest besuchte, hat in Moskau nicht nur mehrmals mit dem Minister für Innen- und Außenhandel, Mikojan, verhandelt, sondern wurde auch im Beisein des britischen Botschafters, Sir Alvary Gascoigne, von Außenminister Molotow empfangen. Wilson erklärte nach der einstündigen Unterredung, er habe mit Molotow "offen und frei" über alle wichtigen internationalen Probleme, wie Deutschland, Österreich, Indochina, Korea und den Ost-West-Handel gesprochen. Auch Churchills Vorschlag einer Konferenz der Großmächte sei erörtert worden, und er habe dabei den Eindruck gewonnen, daß eine sowjetische Antwort bald erfolgen werde. In der Frage des Ost-West-Handels hat Wilson den sowjetischen Staatsmännern seine Ansicht mitgeteilt, daß eine Beseitigung der westlichen Exportbeschränkungen erst nach Beendigung des Korea-Krieges erfolgen könne, wobei er aber andeutete, daß einige Einschränkungen noch vor Kriegsende aufgehoben werden könnten. Es kann kaum ein Zweifel darüber bestehen, daß Wilsons Besuch in Moskau im Einverständnis mit Churchill erfolgte. Der offiziöse Charakter seiner Mission wird auch durch die Teilnahme des britischen Botschafters an dem Besuch bei Molotow unterstrichen.

Auf der Genfer West-Ost-Wirtschaftskonferenz, die im Rahmen der "UNO Wirtschafts-Kommission für Europa" stattfand, und an der Wirtschaftsexperten von 25 europäischen Ländern, darunter Mitglieder des "Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft", teilnahmen, kam es zu Gesprächen zwischen Mitgliedern des Ost-Ausschusses und Handelsexperten der Sowjetunion. Es wurden Listen deutscher und russischer Produkte ausgetauscht, die für eine Lieferung in Frage kommen. Die Gespräche, die in nächster Zeit fortgesetzt werden sollen, haben zum Ziel, eine gemeinsame Basis für einen Warenaustausch zu finden. – Der Bundesverband der deutschen Industrie erklärte dazu, es werde die Aufgabe der nächsten Zeit sein, die angebahnten Beziehungen mit östlichen Ländern "unter Berücksichtigung der internationalen Vereinbarungen zu einem nennenswerten Warenaustausch auszubauen".

Zu den Angriffen McCarthys auf Großbritannien äußerte der demokratische Senator Herbert Lehmann, es sei jetzt der Zeitpunkt gekommen, an dem die Regierung in Washington zwischen der "Beschwichtigung der Unverantwortlichen" im eigenen Land und der Zerstörung der Einigkeit der freien Welt wählen müsse. Es gehe nicht um die Frage: hie Amerika – hie Großbritannien, sondern um die Wahl zwischen "McCarthyismus" und amerikanischer Weltführang. E. K.