Man muß dem Bundesrat wirklich Dank dafür wissen, daß er sich (und sogar einstimmig) für ein Uniformverbot ausgesprochen hat. Uniformen im Zivilleben waren noch immer vom Übel, und uniformierte Parteiverbände müssen ganz zwangsläufig zu Bürgerkriegsarmeen werden.

Weit weniger weise erscheint der auf der gleichen Sitzung gefaßte Beschluß, alle von den Bundessymbolen abweichenden Wahrzeichen des Deutschen Reiches, also auch die Farben Schwarz-Weiß-Rot, gesetzlich zu verbieten. Seit 1918 das alte nationale Symbol Schwarz-Weiß-Rot und bald darauf auch das neue nationale Symbol Schwarz-Rot-Gold zu Parteisymbolen wurden, hat der unselige Flaggenstreit die Einheit in Deutschland vergiftet. Da gerade im irrationalen Bereich Meinungsverschiedenheiten zu unüberwindlich tiefen Spaltungen führen, haben die beiden Farbkombinationen die Gemüter immer wieder in Erregung versetzt. Jetzt endlich war es still geworden um den Flaggenstreit. Und nun kommt ein Übereifriger, dem die Praxis nicht genügt, der eine "gesetzliche Regelung" schaffen will und damit das sprichwörtliche Gras beseitigt, das über diese Sache gewachsen war. Sollte Schwarz-Weiß-Rot verboten werden, dann kann man gewiß damit rechnen, daß dies in Zukunft die Farben aller rechtsradikalen Geheimbündler sein werden, denen es mit diesem wieder interessant gewordenen Lockmittel unschwer gelingen dürfte, ihre Reihen durch naive erinnerungsfreudige Landsleute erheblich zu verstärken. Dff.