Das Buch des französischen Autors François Boy er "Jeux Interdits" wurde jetzt unter dem – Titel Verbotene Spiele in deutscher Sprache herausgebracht (Verlag O. C. Recht, München). Auch der gleichnamige, im vorigen Jahr in Venedig preisgekrönte Film wird demnächst bei uns anlaufen.

Buch und Film haben Aufsehen erregt (das Buch hat inzwischen eine Auflage von 400 000 Exemplaren erreicht und ist in fünf Sprachen übersetzt), weil hier mit besonderer Eindringlichkeit die Leiden und Nöte der Kinder in den Wirren des Krieges geschildert wurden. Schonungslos und böse wird durch den Nachahmungstrieb der Kinder, die Tiere töten und feierlich beerdigen, die von den Erwachsenen betriebene Vernichtung verspottet.

An dem Film verstimmte, daß er unmündige Kinderfilmstars in perverse Rollen zwängt und durch eine alberne Rahmenerzählung von den zwei reichen Kindern, die ein böses Märchen lesen, die Geschichte verdünnt und das Buch verfälscht. Aber nun das Buch: da spürt man die Gabe und Kraft des Verfassers, die Fluchtstraßen des Krieges nachzuzeichnen, die Vorstellungswelt eines verstörten Kindes hart und kräftig oder abtastend zart zu skizzieren. Doch sein Temperament und die Freude, mit Worten zu berauschen oder Ekel zu erregen, haben ihn bisweilen verführt, Schmutz- und Schimpfworte zeilenweise zu gebrauchen. Solche Aneinanderreihung aber vernichtet die Wirkung, statt sie zu steigern, und vergeudet das erreichte Niveau. Zwei Zeilen lang zum Beispiel nichts als Sch...., Sch....‚ SA oder Dreck ... oder Paulettes, der Neunjährigen, wortmächtige Beschreibung blutiger Füße: rosa Blut, malvenfarbiges Blut, gelbliches Blut, dreckiges und blau gewordenes Blut, mohnrotes Blut, himbeerrotes, kirschrotes, johannisbeerrotes, tomatenrotes, erdbeerrotes... So viel absichtsvolle Künstlichkeiten erwecken Zweifel. E. M.