Bundesinnenminister Dr. Lehr hat kürzlich in einem Interview erklärt, daß angesichts der auf 150 000 Mann verstärkten Volkspolizei zur Sicherung der Zonengrenze ein Bundesgrenzschutz von 50 000 Mann notwendig wäre. Zur Zeit, so sagte er, kämen auf 1736 km Sowjetzonen- und tchechische Grenze im Dreischichtendienst nur 2130 Beamte je Schicht. Daß sich auf diese Weise eine Überwachung der Grenzen nicht durchführen läßt, ist klar. Der Minister wies auch auf die Notwendigkeit hin, das Einschleusen von Agenten zu überwachen, was bei der heutigen Stärke des Grenzschutzes von 10 000 Mann nicht möglich ist, auch wenn der Bund den für andere Aufgaben vorgesehenen Zollgrenzdienst und die Polizei der Länder für den Grenzsicherungsdienst heranzieht. Man kann diese Argumente des Innenministers nur unterstreichen. Es kommt noch dazu, daß die Bundesrepublik überhaupt stärkere Machtmittel braucht, was sich gerade im Augenblick der Wiedervereinigung, über die in absehbarer Zeit ja doch einmal verhandelt werden wird, sehr drastisch zeigen könnte. Unter solchen Umständen ist es unbegreiflich, daß selbst einer Verdoppelung des Bundesgrenzschutzes auf 20 000 Mann, um die das Innenministerium seit langem kämpft, immer neue Verzögerungen entgegenstehen. F.