H. G., Beirut, im Juni

Überraschend schnell gingen die arabischen Regierungen auf die am 7. Mai in Damaskus von der Union der arabischen Industrie- und Handelskammern unterbreiteten Vorschläge ein: Am 25. Mai fanden sich bereits die Wirtschafts- und Finanzminister im Unesco-Gebäude in Beirut zusammen, um die Frage der Gründung einer gemeinsamen arabischen Aufbaubank zu prüfen.

Zu gleicher Zeit, da die aufblühenden Industrien der ölarmen arabischen Länder um ihre Existenz ringen, weil es ihnen an Kapital fehlt, um das zu verwirklichen, was sie dringend und lebensnotwendig brauchen (Verkehrsnetze, Kraftanlagen, Facharbeiter, erreichbare Absatzmärkte), wandern Millionen von Sterling und Dollars aus den ölreichen arabischen Ländern in die Tresore nichtarabischer Banken ins Ausland. Dieses Geld geht für den arabischen Aufbau verloren. Bisher versuchte nahezu jeder Staat für sich, entweder aus eigener Kraft (z. B. Syrien und zuletzt auch Ägypten) oder mit Hilfe des amerikanischen Point-IV-Programmes bezw. des Colomboplanes, der Schwierigkeiten Herr zu werden. Infolge der Kräfteverzettelung aber mußten notgedrungen alle Pläne versagen, vor allem in Ländern, die nicht über einen reichen Ölstrom verfügen, aber in noch ungehobenen Einschätzen ein Zukunftspfand in der Hand halten.

Wenn nun der Plan der Gründung einer arabischen Aufbaubank verwirklicht wird, dürfte auch für den europäischen Exporteur und für einen nicht geringen Teil der europäischen Industrie der Tag gekommen sein, um der neuen Lage gerecht zu werden. Dann wird man sich in Europa und anderen Lieferräumen darauf einrichten müssen, daß sich der arabische Raum zum mindesten eine eigene Grund- und Gebrauchsgüterindustrie einrichten wird, die ihn vom europäischen und ausländischen Lieferanten unabhängiger macht.