Welt-Arbeitsbericht 1953

Von Friedrich Georg Seib, Direktor des deutschen Zweigamtes des Internationalen Arbeitsamtes

Die finanziellen Mittel der Staaten werden in einem für Friedenszeiten nahezu sie dagewesenen Maße für Rüstungszwecke in Anspruch genommen. Die atlantischen Nationen zweigen zwischen 7 und 15 v. H. ihres Sozialproduktes für Verteidigungszwecke ab. In einer solchen Situation kann es nicht leicht sein, die notwendigen Mittel für eine Welt-Friedensorganisation, wie sie die Internationale Arbeitsorganisation in Genf darstellt, aufzubringen und im Rahmen begrenzter Mittel alle für die Förderung des sozialen Fortschritts wirklich wesentlichen Studien und Aktionen fortzusetzen. Der Weltarbeitsbericht 1953 des Internationalen Arbeitsamtes ist deshalb vor allem auch ein Appell an alle Wohlmeinenden und Einsichtigen, dafür zu sorgen, daß die Arbeit am Frieden in sozialer Gerechtigkeit mit der notwendigen Intensität fortgesetzt werden kann.

Die soziale Entwicklung der Welt vollzog sich während des vergangenen Jahres auf dem Hintergrunde einer größeren wirtschaftlichen Stabilität, als sie bisher in der Nachkriegszeit erreicht werden konnte. Die Jahre des Korea-Konfliktes und seiner Auswirkungen waren gekennzeichnet durch die Jagd nach Rohstoffen und inflationäre: Tendenz überall da, wo Inflation nicht voll zum Ausbruch gekommen war. Das Jahr 1952 sah das Abebben dieses Druckes. Dabei hat sich die Befürchtung, daß die hie und da sich stärker ausbreitende Arbeitslosigkeit das Feuerzeichen einerbeginnenden Depression sein würde, nicht bewahrheitet. Im großen und ganzen ist der Übergang von der Inflation (oder deutlichem Inflationsdruck) zu einer gewissen inneren und äußeren wirtschaftlichen und finanziellen Stabilität während des Jahres 1952 bei hoher Beschäftigung vollzogen worden.

Diese Entwicklung ist im ganzen gekennzeichnet durch ein leichtes Absinken der Produktion, fallende Rohstoffpreise und nicht weiter steigende Einzelhandelspreise. Den Bemühungen der Regierungen kam fast über die ganze Welt hin eine bemerkenswerte Käuferresistenz entgegen. Der Kern der kaufkräftigen Nachfrage blieb aber groß genug, um den psychologischen Schock des Wendepunktes zu überwinden; die privaten Investitionen sind weiterhin bemerkenswert hoch. Der Weltindex der industriellen Produktion, wie er vom Statistischen Büro der UN aufbereitet wird, zeigt, daß der steigende Trend der Weltprodukion das ganze Jahr über angehalten hat.

Dementsprechend blieb die Beschäftigung fast überall und im Durchschnitt auf hohem Stande, obgleich eine Reihe hochindustrialisierter Länder noch bemerkenswert hohe Arbeitslosenzahlen zeigt. Da es gelang, ein weiteres Ansteigen der Nominallöhne zu verhindern, trat 1952 zum ersten Male in der Nachkriegszeit eine annähernde Stabilisierung der Lebenshaltungskosten ein.

Die Zahlungsbilanzen machen Sorge