Die gleichberechtigte Partnerschaft des Handwerks in einem geordneten Wettbewerb der sozialen Marktwirtschaft, die planmäßige Pflege der betriebswirtschaftlichen Produktivität im Handwerk, eine weitblickende Mittelstandspolitik als künftige soziale Kernfrage, und schließlich eine vertiefte Berufsgemeinschaft innerhalb des Handwerks als Schule des Gemeinsinns für den Staat: das bezeichnete Töpfermeister Richard Uhlemeyer (Hannover), der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, auf dem Deutschen Handwerkstag 1953 in Hamburg als die vier zentralen Aufgaben der deutschen Handwerkspolitik. Tausende von Handwerksmeistern, dazu Gesellen und Lehrlinge, waren aus allen Teilen des Bundesgebietes, aus Westberlin und dem Saarland am vergangenen Wochenende an der Elbe zusammengeströmt, um die wirtschaftspolitischen Ziele des Handwerks kundzutun, ein Bekenntnis zur fairen Konkurrenz abzulegen und der Öffentlichkeit vor Augen zu führen, welchen großen und vielfältigen Auftrag das Handwerk zu erfüllen hat, das mit seinen 830 000 Betrieben und 3,5 Millionen Besänftigten 1952 einen Gesamtumsatz von 32 Mrd. DM erreichen konnte.

Bundesfinanzminister Schäffer nahm die Gelegenheit wahr, auch den Vertretern des Handwerks einmal seine vielfältigen Sorgen zu unterbreiten. Er sprach davon, daß in der deutschen Demokratie der Geist der-Verantwortung noch viel stärker werden müsse und man den Staat nicht nur als eine Kuh betrachten dürfe, die man wohl melken könne, aber nicht zu füttern brauche. Hinsichtlich der „Kleinen Steuerreform“ bewies Schäffer den Handwerkern, daß ihre Einführung nur dann möglich ist, wenn eine weitere Haushaltsverschlechterung unterbunden wird und die infolge des Wahlfiebers forcierte Bewilligungsfreudigkeit des Parlaments in den erforderlichen Grenzen bleibt. Grundsatz seines Handelns sei der Mut zur Wahrheit und die Ordnung der deutschen Finanzen, die schließlich die Grundlage unserer Währung bilde. Die Möglichkeit einer Verwirklichung der „Großen Steuerreform“ sieht Schäffer nur bei gleichzeitiger Durchführung einer Finanzreform. Doch schon jetzt lehne er die vorgeschlagene Einführung einer Reklame- und Reifensteuer mit der Begründung ab, daß der Ertrag aus diesen Steuern in keinem Verhältnis zu dem erreichten Verdruß stehen würde. Diese Entscheidung rief bei den versammelten Handwerkern starken Beifall hervor; auch die übrigen Kreise der deutschen Wirtschaft werden dem Bundesfinanzminister dafür Dank wissen.

Eine Korrektur der bisherigen Wirtschaftspolitik hielt Handwerkspräsident Uhlemeyer für dringend angebracht, weil man im Handwerk der Ansicht ist, daß es neben den wirtschaftspolitischen Schwerpunkten der letzten Jahre etwas in den toten Winkel der amtlichen Förderung gedrückt wurde. Vor allem stünde die Kreditversorgung in keinem Verhältnis zum Umfang und zur Wertschöpfung unserer Handwerkswirtschaft, Das Handwerk hält einen 20%igen Anteil an den zentralgesteuerten Mitteln (und deren Rückflüssen) für erforderlich. Die bisher zur Verfügung gestellten Summen könne man kaum als ein „Kreditprogramm für den Mittelstand“ bezeichnen. Keinesfalls beansprucht das Handwerk besondere Rechte, ist aber der Ansicht, daß Deutschland nicht nur aus Fabriken und Gewerkschaften besteht. Aus diesen Gründen erwartet man vom neuen Bundestag in den Kreisen des deutschen Handwerks „mehr sozialpolitische Maßarbeit“. Bundestagspräsident Dr. Ehlers, der im Anschluß an Uhlemeyer sprach, hatte es leicht, dem Handwerk darauf die Antwort zu geben: wie der nächste Bundestag aussehe, werde zu einem großen Teil beim Handwerk selbst liegen... ww.