Die Haushaltsrede des bayerischen Wirtschaftsministers Dr. Hanns Seidel ergab im großen und ganzen ein nicht ungünstiges Bild der Wirtschaftslage. Der Industrieumsatz lag 1952 mit 14,8 Mrd. DM um rund 7 v. H. über dem des Vorjahres. Besonders erfreulich gestaltete sich die Ausfuhr: Mit 1,7 Mrd. (19 v. H. mehr als im Vorjahr) erreichte sie den bisher höchsten Stand der Nachkriegszeit. Im Fremdenverkehr ist die Zahl der Übernachtungen auf 17,3 Mill. gegenüber dem Vorjahr um 22 v. H. gestiegen. Das bayerische Bruttosozialprodukt hat sich in den letzten beiden Jahren von 18,2 auf rund 19,8, das Volkseinkommen von 14,6 auf rund 15,5 Mrd. DM erhöht.

In der Verkehrswirtschaft, so stellte Dr. Seidel fest, komme die Tarif gestaltung den Notwendigkeiten der revierfernen bayrischen Wirtschaft nicht entgegen. Während sich der Omnibusverkehr ständig erhöht habe (161 Mill. Fahrgäste 1952; 18 v. H. mehr als 1951), ist die Beförderung auf der Bundesbahn um 3–4 v. H. zurückgegangen. Auch im Güterverkehr dringt das Kraftfahrzeug vor: die Zahl der Lastkraftwagen liegt um 135 v. H. über der der Vorkriegszeit, die Nutzlast sogar um 150 v. H. – Ausführlich erörterte der Minister die wirtschaftliche Krise der bayerischen Grenzgebiete. Es besteht hier die Gefahr der „sozialen Erosion“. Leistungsfähige Betriebe sind bereits dazu übergegangen, sich im Schwarzwald oder jenseits des Rheins einen Zweigbetrieb zu schaffen. Auch der Kapitalbedarf ist vordringlich. Trotz der Festigung des Kapitalmarktes kann keine Rede davon sein, daß in absehbarer Zeit genügend Kapitalien zur Verfügung stehen werden, um das Investitionsbedürfnis zu befriedigen. Daher wird Bayern noch auf einige Zeit hinaus staatliche Kreditpolitik treiben müssen. Bis Ende 1952 sind Bayern an zentralgesteuerten Krediten rund 700 Mill. DM zugeflossen. Nur dadurch war eine Aktivierung der Wirtschaftstätigkeit möglich.

Im Zusammenhang mit dem Programm zur Feststellung von Bodenschätzen teilte Dr. Seidel mit, daß in der Oberpfalz bemerkenswerte Lagerstätten von hochwertigen Eisenerzen und Flußspat gefunden wurden. Bei Trostberg in Oberbayern konnte Braunkohle erbohrt werden. Im neuen Rechnungsjahr sind u. a. fünf Tiefbohrungen für die Erkundung der dem Kohlenbergwerk Marienstein vorgelagerten Mulden vorgesehen. Die Deutsche Vakuum-Oel-AG. hat zusammen mit der Gewerkschaft Elwerath und der Gewerkschaft Florentine (Preussag) bei Ampfing eine Aufschlußbohrung angesetzt. Bei 1820 m wurden ölimprägnierte Sande angetroffen, die die Hoffnung auf eine verwertbare Lagerstätte erwecken. H. P. L.