Was vor einiger Zeit noch niemand für möglich gehalten hätte, ist jetzt eingetreten: Der Rentenmarkt hat an den Börsen die Führung übernommen! Die Ereignisse haben sich auf diesem Gebiet in den letzten Tagen überstürzt. Eine Reihe attraktiver Emissionen wurde angeboten, und es besteht bei der Flüssigkeit des Geldmarktes kein Zweifel, daß sie innerhalb kürzester Frist untergebracht sein werden. Im Zuge der anhaltenden Nachfrage nach DM-Papieren wurde die 8 v. H. Robert-Bosch-Anleihe bereits am ersten Verkaufstag voll untergebracht. Das gleiche war bei den herausgekommenen Länderanleihen der Fall.

Bei den DM-Hypothekenpfandbriefen geht man überall sprungweise auf die neue Kurslinie von 93 v. H. zurück. Damit stellen die Institute die Konkurrenzfähigkeit ihrer Papiere gegenüber den besser ausgestatteten neuen Emissionen wieder her. In der vergangenen Woche erfolgte die Einführung der 5 v. H. Bundesanleihe zum amtlichen Börsenhandel. Da sich die BdL auf einen Einführungskurs von 99 v. H. versteift hatte (im Freiverkehr wurde die Anleihe seit langem mit 99 3/4 v. H. gehandelt), überschüttete man die BdL mit Kauforders, die in die Millionen gingen. Sie wurden nur etwa zu 10 v. H. befriedigt. Als der Kurs am nächsten Tag auf 99 1/4 heraufsetzte, war die Nachfrage bereits weniger stark; am dritten Tag war der Markt bei 99 1/2 v. H. schon ausgeglichen. Immerhin gingen noch ansehnliche Beträge um. In Einzelfällen hatte es den Anschein, als ob die Mittel für diese Käufe durch Abstoßen von Aktien beschafft wurden. Auf der Suche nach der höchstmöglichen Rendite hat man den Gedanken an eine Substanzsicherung nunmehr völlig fallen gelassen.

Anders dagegen in Frankreich, wo nach Mitteilung der Hamburger Kreditbank gerade eine sogenannte Indexanleihe aufgelegt wurde, deren wesentliche Sicherung darin liegt, daß im Falle eines höheren Kohlepreises bei. Rückzahlung der Anleihe der Nominalbetrag um den gleichen Prozentsatz erhöht wird. Eine ähnliche Sicherung haben zur Zeit in Österreich aufliegende Energie-Anleihen, wo der Nennbetrag von 1000,– S den Gegenwert von 4629,6 Kilowattstunden darstellt. Falls bei Zins- oder Kapitalfälligkeit sich der Durchschnittspreis für die Kilowattstunde nach dem Verbundtarif erhöht hat, so steigert sich im gleichen Verhältnis der fällige Zins- und Kapitalertrag.

Von Düsseldorf ausgehend wurden wieder einmal die Harpener Bonds forciert. Sie stiegen von 110, auf 118 v. H Da es hinsichtlich des hier schwebenden Prozesses absolut keine Neuigkeiten gibt, die einen handfesten Grund für die plötzlich erwachte Nachfrage geben könnten, muß vermutet werden, daß irgend jemand auf einen für die Obligationäre günstigen Vergleich spekuliert.

Am Aktienmarkt sah es indessen mehr als traurig aus Zwar gab es hier kaum Verluste, aber – und das ist zumindest ebenso schlimm – auch kaum Geschäfte. Selbst nach IG-Farben fragte kaum jemand, bei kleinem Angebot gaben die effektiven Stücke um 1 Punkt auf 84 v. H. nach. Rütgerswerke verloren 4 Punkte, nachdem verlautete, daß mit einer Dividendensenkung auf 4 v. H. gerechnet werden muß. Dynamit Nobel zogen dagegen auf 114 (112) v. H. an.

Am Montanmarkt hatten Hoesch und Ver. Stahl eine schlechte Woche. Der bevorstehende Zwangsverkauf im Rahmen der Entflechtung macht diesen Papieren zu schaffen. Wenn diese Pakete tatsächlich über die Börse zum Verkauf gelangen sollten, müßte man sich auf einiges gefaßt machen, aber bislang konnten diese Transaktionen auf anderen Wegen ins Reine gebracht werden, so daß Gründe für eine übertriebene Sorge noch nicht gegeben sind. Auffallend war der Rückgang der Ilseder Hütte-Aktien von 127 1/2 auf 124 v. H., obwohl eine günstige Ertragslage der, Ilsede-Peine AG (Organschaftsvertrag mit der Ilseder Hütte) bekanntgegeben wurde. An der Hannoverschen Börse erwartet man eine Dividendenausschüttung von 6 v. H auf das aufgestockte Kapital der Ilseder Hütte.

Die Rud. Karstadt AG gab die Verteilung einer Dividende von 7 v. H. für 1952 bekannt. Das ist eine Erhöhung gegenüber dem Vorjahr von 1 v. H. Dieser Aufstockung hatte man an der Hanseatischen Wertpapierbörse bereits durch eine Heraufsetzung des Kurses von III auf 118 v. H. Rechnung getragen. Mit Aufmerksamkeit nahm man ferner in Hamburg die Dividendenerhöhung bei den Dyckerhoff Portland Cementwerken zur Kenntnis. Die günstige Geschäftslage bei dieser Gesellschaft läßt Rückschlüsse auf die an der Hanseatischen Wertpapierbörse beheimateten Papiere gleicher Art zu, die dadurch mehr in den Vordergrund rückten. Zum Wochenschluß kamen aus dem Binnenland Kauforders für Reederei-Papiere, die dem Abfall dieser Gruppe zunächst ein Ende setzten.

Unberührt von allen Schwächetendenzen blieben die Banken, deren Papiere ihren angesehenen Platz im Bukett der deutschen Aktien wieder eingenommen haben. Die Hamburger Vereinsbank verbesserte ihren Kurs von 85 auf 87 v. H. -ndt