Am vergangenen Sonntag wurde die 42. Wanderausstellung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft durch Bundeskanzler Dr. Adenauer eröffnet. Die Ausstellung, über die wir noch berichten werden, dauert bis zum 7. Juni an und gibt einen umfassenden Überblick über die Leistungen der Landwirtschaft und der mit ihr verbundenen Wirtschaftszweige, unter denen der Treckerbau einen zentralen Platz einnimmt.

Die Aufforderung eines Praktikers, wir sollten nicht mehr von Traktor oder von Trecker sprechen, sondern von einem Träger, ist natürlich nicht ernst gemeint. Aber sie ist mehr als ein Spiel mit Worten. Wenn auch der Schlepper in der Landwirtschaft nach wie vor eine Rolle als Transportmittel spielt, so hat er sich doch in den letzten Jahren mehr und mehr in einen Träger von Arbeitsgeräten verwandelt. Seit der Währungsreform zeichnet sich in unserer Landmaschinenindustrie die Tendenz zur immer enger werdendes Verbindung von Schlepper und Arbeitsgerät ab, die eine Forderung der landwirtschaftlichen Praxis und Forschung ist.

Der Schlepper ist in seiner Konstruktion, auch äußerlich, vielfach wesentlich verändert worden. Man hat ihn nicht nur mit genormten Anschlüssen für die mannigfaltigsten Arbeitsgeräte versehen, vielmehr sind auch bekannte Firmen dazu übergegangen, eine Schlepperform zu entwickeln, die sich grundlegend von der Standardform entfernt. Heute stehen für zahlreiche Schlepper etwa dreißig Anhängegeräte zur Verfügung. Der Schlepper oder Geräteträger kann mit den dazugehörigen Arbeitsgeräten – ihre leichte Auswechselbarkeit ist ebenso wie die Bedienung vornehmlich auf den Ein-Mann-Betrieb eingerichtet – ebensogut pflügen, pflanzen, hacken, drillen, säen, dreschen wie Mist stapeln und eine Melkmaschine auf dem Felde betreiben. Gerade dem Stapeln mit dem Frontlader wird seitens der Landwirtschaft große Bedeutung beigemessen.

Es paßt ganz in die Linie dieser Entwicklung, daß jüngst eine führende norddeutsche Traktorenfirma die enge Verbindung von Schlepper und Gerät auch in organisatorisch-technischer Weise vorangebracht hat. Sie hat sich dazu mit ihr geeignet erscheinenden Herstellern von Geräten verbunden: einmal auf dem Wege der finanziellen Beteiligung, zum andern über die gemeinsame Erprobung von Schlepper und Gerät.

Es liegt gleichfalls in dieser Entwicklung, daß nun stärker die mittleren und kleinbäuerlichen Betriebe im Mittelpunkt des Interesses der Landmaschinenindustrie stehen. Versuchsreihen, die im Bundesgebiet laufen und noch nicht abgeschlossen sind, lassen erkennen, daß jedoch mit dem Ersatz der tierischen Zugkraft durch den Schlepper allein noch kein nennenswerter Gewinn zu erzielen ist. Nur dann, wenn Schlepper und Gerät auch eine Umstellung der gesamten Betriebsorganisation herbeiführen, wird ein Nutzen für den Bauern herausspringen. Hier zeichnet sich bereits die Schwierigkeit ab: Das erforderliche durchschnittliche Maschinenkapital je Hektar eines vollmechanisierten Betriebes beträgt im 100-ha-Betrieb etwa 700 DM, im 5-ha-Betrieb aber schon 3500 DM. Einige Firmen der Landmaschinenindustrie haben das Problem nicht nur erkannt, sondern auch angepackt. Man wird aber mit einer Lösung der Finanzierungsfrage nicht die ganze Frage gelöst haben. Es muß endlich auch die der Betriebsgrößen angepackt werden. Die Flurbereinigung spielt hier eine ebenso entscheidende Rolle wie das jetzt recht unsichere Höferecht. Schließlich bietet der Vormarsch der Kleinstgeräte neue Aspekte. td